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12. November 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Den eigenen Marktwert testen

Arbeitswelt: Personalrekrutierung

Arbeitswelt: Personalrekrutierung (Bild: iStock)Zoom

Arbeitswelt: Personalrekrutierung (Bild: iStock)

Werner Knecht

Was ist der ideale Weg zur Neubesetzung einer vakanten Stelle? Ganz gezielt auf Inserate als Kommunikationsinstrument setzt die schweizweit tätige Jörg Lienert AG, Luzern. «Dadurch erreichen wir eine pointierte Präsenz und erzeugen eine messbare Signalwirkung – im Markt, in der Branche und in der Öffentlichkeit», so Jörg Lienert. Und da die Firmen immer die besten Köpfe suchten, gewährleiste diese öffentliche Ausschreibung, möglichst viele der potenziell Interessierten und Qualifizierten zu erreichen. Der Kandidat unterzieht sich so einem Quervergleich, muss sich mit andern Bewerbern – auch jenen aus dem bereits gesetzten Datenbestand – im Wettbewerb messen und erhält so eine Momentaufnahme samt seinem aktuellen Marktwert.

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Angesichts der angespannten Wirtschaftslage ist die Anzahl der Bewerbungen spürbar gestiegen; viele wollen die Branche wechseln und etwas Neues anpeilen. Vermehrt kommen die Dossiers auch aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Lienert fokussiert vor allem auf den KMU-Bereich und widmet sich zudem der Personalselektion bei Nachfolgeregelungen. «Älter wird man auch in der Rezession», bilanziert er nüchtern. Gerade die Nachfolgeregelungen verkörpern laut Lienert einen namhaften, von den Konjunkturzyklen unabhängigen Geschäftszweig. Entsprechend stabil sei die Umsatzentwicklung, wobei die schwächelnde Exportindustrie auch bei der Personalrekrutierung Bremsspuren hinterlässt. Seit auch im Internet immer mehr Stelleninserate um die Aufmerksamkeit buhlen, fühlen sich Jobsucher regelrecht umschwärmt. Die ganze Welt scheint auf sie zu warten; die Angebotsvielfalt ist grenzenlos, berauschend – und oft trügerisch. Denn so erfolgreich die online geschalteten Stellen auch sind, letztlich fehlt dort die qualitätssichernde Triage, welche die Spreu vom Weizen trennt.

Operative Hektik vermeiden

Der Online-Markt vermittle bisweilen die Illusion der globalen Verfügbarkeit unzähliger Traumjobs, «doch dieser erste Eindruck täuscht. Wir raten deshalb allen, die operative Hektik zu vermeiden und sich ganz gezielt und nur selektiv zu bewerben. Alles andere bringt nichts.» Dies sagt uns Thomas A. Biland im persönlichen Gespräch. Der Inhaber des gleichnamigen Executive-Search-Unternehmens mit Sitz in Zürich rät dringend davon ab, die Bewerbungen wahllos zu streuen und «mit der Schrotflinte» auf Stellensuche zu gehen, denn dadurch wirke man austauschbar und unsicher. Viel wichtiger sei für ihn als Headhunter, nicht nur den zukünftigen Mitarbeiter mit den besten fachlichen Voraussetzungen zu finden. Dieser müsse auch menschlich ins bestehende Team sowie zur Firmenkultur passen.

Biland umschreibt das Basiselement einer nachhaltigen Stellenbesetzung mit «Fit of Chemistry». Das bedeutet einerseits, die individuellen Erwartungen und Zielsetzungen des Unternehmens als oberste Maxime zu respektieren – und anderseits, die Kandidaten vorgängig mit dem betreffenden Umfeld vertraut zu machen. Erst nach diesem gegenseitigen Beschnuppern zeige sich, «ob die Chemie stimmt». – Laut Biland ist das Bauchgefühl des Headhunters das zuverlässigste Selektionskriterium, wobei im Zweifelsfall eine zweite Meinung beigezogen wird und mehrere nachgelagerte Instrumente zur Entscheidungsfindung beitragen. Den Kandidaten raten die Headhunter, sich bei der Bewerbung und beim Vorstellungsgespräch strikt an den Dreiklang «Authentizität, Professionalität, Souveränität» zu halten. Freundlich, interessiert, sachlich und ohne über den bisherigen Arbeitgeber herzuziehen – dies seien gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kommunikation. Auch die klare Definition der beruflichen Laufbahn ist laut Biland ein absolutes Muss. Dieses setze voraus, dass der Kandidat sich intensiv mit sich selber auseinandersetzt. Dabei kann der Headhunter als wertvoller Sparringpartner dienen. Allerdings empfiehlt es sich, mit mehreren solcher Partner den Kontakt aufrechtzuerhalten und zu pflegen.

«Fit of Chemistry» ist auch das USP der «da – Unternehmensberatung in Personalfragen», zumal sich dieses vor 35 Jahren von Denise Ammann gegründete Unternehmen im gleichen Besitz befindet. Wie erlebt Sabine Biland-Weckherlin ihren Beratungsalltag? In Korrelation zu den verhaltenen Konjunkturprognosen zeige sich eine allgemeine Zurückhaltung bei den Neuanstellungen von persönlichen Assistentinnen auf Geschäftsleitungsebene. Wer hingegen mit Zusatzqualifikationen – beispielsweise mit der Sattelfestigkeit in mehreren Sprachen – aufwarte, hätte auch in struben Zeiten intakte Chancen.

Nach wie vor gefragt seien anspruchsvoll positionierte Fach- und Führungskräfte. Allerdings zeigten sich die Firmen sehr risikofeindlich, kommentiert die Personalberaterin, weshalb man meistens keine Quereinsteiger wünsche. «Das ist schade, denn dadurch verzichten viele Unternehmen auf zusätzliches Kreativpotenzial und neue Impulse, die gerade in Abschwungphasen besonders wichtig wären.»

Globale Wanderarbeiter

Während das Gros der Festangestellten tendenziell stagniert, wächst die Nachfrage nach temporären Arbeitskräften nach wie vor, wenn auch «nur» noch im einstelligen Bereich. «Wir erleben im Personalverleih das beste Jahr», erklärt Georg Staub vom Verband der Personaldienstleister der Schweiz, Swissstaffing. Der Verband vertritt hauptsächlich die Temporärfirmen, wobei die rund 250 Unternehmungen an 600 Standorten in der Schweiz einen stattlichen Gesamtumsatz von über drei Milliarden Franken ausweisen. Seit Juni stagniert zwar das Wachstum bei rund fünf Prozent, was jedoch angesichts der Bremsspuren in allen Wirtschaftsbereichen nicht überraschen kann. Angesprochen auf aktuelle Nachfrageimpulse, verweist Staub auf weltweit auftretende strukturelle Veränderungen am Arbeitsmarkt. Hochqualifizierte globale Wanderarbeiter aus den Sektoren IT und Hochtechnologie werden, so Staub, immer stärker nachgefragt, wobei die aufwendige Suche aus Gründen der Arbeitsökonomie an professionelle, global aufgestellte Arbeitsvermittler delegiert wird. Da die Firmen sich zunehmend auf wenige wichtige Know-how-Träger fokussieren, steigt deren Marktwert; sie bilden damit in den Datenbanken der Personalvermittler begehrte und hochbezahlte Trümpfe.

(Bild: DA Unternehmensberatung für Personalfragen)Zoom

(Bild: DA Unternehmensberatung für Personalfragen)


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