23. September 2011, NZZexecutive
«Lasst Frauen machen, sie sind wirklich gut»
Sind Frauen die besseren Chefs?

Christina Weigl ist eidg. FA Ausbilderin, Supervisor/Coach BSO, NLP-Lehrtrainerin und eidg. dipl. Tourismusexpertin.
Interview Andy Waldis
Christina Weigl, was sind speziell weibliche Führungspotenziale?
Christina Weigl: Gibt es diese? Oft wird den Frauen eine höhere emotionale Kompetenz, Beziehungsorientierung, Intuition oder Empathie zugeschrieben. Doch in meiner täglichen Arbeit als Business-Coach und Trainerin treffe ich auch viele Männer, die empathisch und teamorientiert führen und sogenannt weibliche Führungsqualitäten integer und kompetent vorleben.
Wie fördern Sie in Ihrer Arbeit als Coach Führungsqualitäten?
Mit dem Seminarprogramm LEX Leaders Excellence der Empowerment Group. Es wird seit mehr als zehn Jahren erfolgreich durchgeführt. Auch exklusiv nur für Frauen. Dieses Programm schafft einen kraftvollen Rahmen für Unternehmerinnen, Führungskräfte und Kaderfrauen. Wir arbeiten gleich und stellen den Frauen dieselben Fragen wie in den gemischten Gruppen. Wir verbinden bewusste und unbewusste Ebenen, Intuition und integrieren Musik und die Natur, um nachhaltige Resultate zu erhalten.
In der Wirtschaft zählt hauptsächlich messbarer Erfolg. Ist es deshalb schlussendlich nicht egal, ob Männer oder Frauen am Ruder sind?
Ja, dem Arbeitnehmer ist es auch meist egal, ob am Ruder ein Chef oder eine Chefin ist. Doch Mitarbeiter wollen Führungskräfte, die als Vorbild und Leader vorne am Weg sind. Sie wünschen sich Vorgesetzte, die das Potenzial der Mitarbeiter erkennen und freilegen. Die authentisch und klar auch in unsicheren Zeiten kommunizieren, führen und Begeisterungsfähigkeit halten können. Unternehmen müssen erkennen, dass sinnreiches Tun mit Begeisterung der Motor ist für Motivation und Mehrwert mit Erfüllung. Was bessere Resultate bringt.
Führungspositionen sind in der Regel mehr als 100-Prozent-Pensen. Für Frauen, deren Lebensentwurf auch Familie und Kinder beinhaltet, eine unüberwindbare Hürde?
Unüberwindbar? Nicht ganz. Es gibt Unternehmen, welche vorbildlich durch Arbeitszeit-flexibilisierung, neue Arbeitsmodelle und Partnerpositionen Möglichkeiten für weibliche Führungskräfte schaffen. Doch es braucht auch die Klarheit in der Partnerschaft, damit die Bedürfnisse von Mann und Frau Platz finden.
Ist es ein Klischee, dass sich Frauen mehr als Männer vom Herz als vom Kopf leiten lassen?
Ja, und es gilt auch aufzuhören, zwischen weiblichem und männlichem Führungsstil zu unterscheiden. Jede Persönlichkeit hat ihren ganz eigenen Stil zu führen, zu entscheiden, Konflikte zu lösen und Herausforderungen anzugehen. Leadership bedeutet für mich, Kopf und Herz wirklich zusammenzubringen. Leader stellen sich ehrlich den Fragen: «Wofür stehe ich ein? Was möchte ich bewirken, und wo kann ich Sinn und Mehrwert stiften?» Sie halten inne, um eigene Antworten zu finden für die ganz persönlichen Aufgaben, die Ausrichtung auf das Wesentliche im Leben. Leader haben eine klare Mission, die sie beseelt, erfüllt, bewegt und trägt. Sie haben den Sinn des eigenen Tuns hinterfragt, haben das Feuer der Begeisterung in ihren Augen und führen sich und andere mit Herz und Verstand.
Sind Frauen feinfühliger als Männer, wenn es zum Beispiel darum geht, Mitarbeiter zu entlassen oder andere unpopuläre Massnahmen im Betrieb anzuordnen?
Genau hier ist Leadership gefragt. Und darunter verstehe ich eine innere Haltung, die geschlechtsneutral ist. Es braucht eine hohe Sozialkompetenz und wertschätzende Kommunikation in solchen Situationen. Und es ist die Fähigkeit, mit Gefühlen und Emotionen achtsam umzugehen, welche Männer und Frauen dabei haben. Eine Balance von fachlicher, emotionaler und mentaler Intelligenz ist gefragt, um elegante und nachhaltige Lösungen zu finden. Dabei ist die hohe Glaubwürdigkeit der Führung entscheidend, um die Produktivität von Mitarbeitern und Teams zu steigern. Somit sind Leader gesucht, weibliche und männliche, die den Weg mit Verantwortung und Begeisterung vorausgehen. Und wenn man Frauen wirklich machen lässt, dann sind sie wirklich gut!
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