14. Juni 2010, NZZexecutive
«Gesunde Mitarbeitende können mehr leisten»
Motivierte und gesunde Mitarbeiter durch Investition in betriebliche Gesundheitsförderung.
Neue Luzerner Zeitung / Maya Horvath
Anne Mäder, braucht es betriebliche Gesundheitsförderung?
Anne Mäder: Ja. Von betrieblicher Gesundheitsförderung profitiert die grosse Mehrheit der Mitarbeitenden. Die Veränderung der wirtschaftlichen Strukturen hat die Komplexität der Anforderungen an Unternehmungen und Mitarbeitende massiv erhöht. Folgen davon können psychosoziale Risiken wie Stress, Zeitdruck, Spannungen am Arbeitsplatz und Angst vor Arbeitsplatzverlust sein. Ins Gewicht fallen können auch unterschiedliche physische Belastungen, wie zum Beispiel schmerzhafte Körperhaltungen oder das Tragen und Bewegen schwerer Lasten. Eine reduzierte Leistungsfähigkeit der Belegschaft ist für die Unternehmen langfristig mit hohen Kosten verbunden. Vor diesem Hintergrund haben Betriebe, die sich um optimale Gesundheit, Motivation und Leistung ihrer Mitarbeitenden kümmern, einen klaren betriebswirtschaftlichen Nutzen.
Was bringt die Gesundheitsförderung einem Betrieb konkret?
Hauptgewinner sind die Mitarbeitenden, der Betrieb selbst und das Betriebsergebnis: Gesunde Mitarbeitende sind motivierter und erbringen bessere Arbeitsleistungen, sie erleben weniger Stress und können besser mit Problemen umgehen. Von all diesen positiven Veränderungen profitiert auch das Unternehmen; hinzu kommen weitere Faktoren: vom besseren Betriebsklima über verstärkte Innovationsfähigkeit und Loyalität bei den Mitarbeitenden bis hin zur Erhöhung des Unternehmensimages. Der finanzielle Gewinn liegt unter anderem in der Reduktion der Fehlzeiten; dies führt zu weniger Fluktuation und damit geringeren Kosten für die Suche und Anstellung von Ersatz- und Aushilfspersonal. Der Erfahrungswert zeigt, dass die Investition in eine nachhaltige Gesundheitsförderung dem Unternehmen einen bis zu 5-fachen Nutzen bringen kann.
Was braucht es, damit sich betriebliche Gesundheitsförderung bezahlt macht?
Erforderlich ist der Entscheid des Betriebes, Gesundheitsförderung in die Unternehmenskultur zu integrieren; gefragt sind Fachpersonen, welche fähig sind, gemeinsam mit dem Betrieb ein nachhaltiges Projekt zu lancieren und zu begleiten; ebenso ist die Beteiligung der gesamten Belegschaft unabdingbar. Zu guter Letzt benötigt es einen relativ langen Atem, denn Gesundheitsförderung setzt letztlich bei eingeschliffenen Gewohnheiten an, und deren Veränderung benötigt Zeit und Ausdauer.
Sie haben angesprochen, dass es ausgebildete Fachleute dafür braucht. Wer sind diese?
In der Schweiz gibt es mittlerweile unterschiedliche Lehrgänge, welche Fachleute für das betriebliche Gesundheitsmanagement ausbilden. In Luzern ist es zum Beispiel die Fachschule iih, die einen Lehrgang betriebliches Gesundheitscoaching anbietet.
Welche Handlungskompetenzen benötigen denn betriebliche Gesundheitscoaches?
Gesundheitscoaches wissen um die Wirkungszusammenhänge zwischen Arbeit und Gesundheit. Sie können bei der Belegschaft Arbeitsbedingungen, Belastungen und Ressourcen abfragen und analysieren; sie erkennen, wo und wie Gesundheitsressourcen gestärkt beziehungsweise belastende Faktoren vermindert werden können. Sie verfügen über die nötigen Planungsinstrumente, und, ganz wichtig, sie haben im Kontakt mit der Geschäftsleitung und den Mitarbeitenden eine wertschätzende und effiziente Kommunikation. Gesundheitsförderung ist Arbeit mit Erwachsenen. Dies ist eine grosse Herausforderung. Daher beinhaltet der erwähnte iih-Lehrgang zusätzlich das SVEB-Zertifikat 1 sowie den Teilabschluss für den eidg. Fachausweis Ausbilder/in.
Wie steht es mit der Akzeptanz in den Betrieben gegenüber der Gesundheitsförderung? Welche Vorbehalte bestehen?
Gerade kleinere Betriebe scheuen sich vor den Investitionen, was sehr verständlich ist. Hier gilt es in der Beratung aufzuzeigen, worin kurz-, mittel- und langfristige Gewinne liegen können. Gesundheitsförderung setzt stets bei den bestehenden Ressourcen des Betriebs an und ist daher immer massgeschneidert. Somit lassen sich auch für Klein- und Kleinstbetriebe machbare Wege finden.
Anne Mäder ist Komplementärtherapeutin im Bereich der Alexandertechnik. Sie arbeitet in Zürich in eigener Praxis und ist im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung in verschiedenen Unternehmen tätig. Sie war über viele Jahre Dozentin für Gesprächsführung, Ressourcenlehre, Empowerment-Strategien sowie Lehrbeauftragte für Sozialversicherungsrecht an den Fachhochschulen Zürich und Zentralschweiz. Anne Mäder arbeitet heute auch als Dozentin im iih-Lehrgang Gesundheitscoaching mit.
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Senior Entwicklungs-ingenieur
Kunststofftech.
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Reto Platzer (15. Juni 2010, 13:34)
BGF - Nutzenüberlegungen
Ich kann den Ausführungen von Anne Mäder nur zustimmen. Den einzigen Vorbehalt habe ich zu ihrer Aussage der Kosteneinsparung. Meines Wissens gibt es bis heute keine aussagefähigen Statistiken. Ich weiss, auch andere Anbieter im Bereich BGF operieren mit dem Faktor 5, was ich aber hinterfrage.
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