25. Juni 2010, NZZexecutive
«Der Personalbedarf wird weiter zunehmen»
Das Gesundheitswesen braucht immer mehr Fachpersonal.

Ernst Schäfer, 50, per Juli Leiter Bildung des Zigg Bildungszentrum in Alpnach (Bild: Corinne Glanzmann)
Neue Luzerner Zeitung / Andy Waldis
Ernst Schäfer, die Medizin macht laufend Fortschritte, das Gesundheitsbewusstsein ist in vielen Bevölkerungskreisen recht gross, und trotzdem braucht das Gesundheitswesen immer mehr Leute. Warum?
Ernst Schäfer: Die medizinischen Fortschritte haben unter anderem zur Folge, dass wir immer älter werden. Krankheiten, die früher das Todesurteil bedeutet haben, können heute therapiert werden. Prognosen des Bundesamtes für Statistik sprechen von 34 Prozent mehr über 65-Jährigen im Jahr 2020. Je älter der Patient, desto komplexer die Pflege. Dazu kommen aber auch viel jüngere Patienten mit hohem Pflegebedarf nach Freizeitunfällen als Folge von Risikosportarten.
Besonders in Alters- und Pflegezentren wird es also knapp mit dem Personal?
Ja. Vor allem im Langzeitpflegebereich wird es eng werden. Zudem muss auch in diesem Bereich die Qualität unbedingt stimmen. Das Personal wird mit komplexen Pflegeaufgaben konfrontiert, es gilt Beratungsaufgaben wahrzunehmen. Zudem brauchen die Leute Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl auch im Umgang mit Angehörigen der Patienten, die übrigens heute sehr gut informiert sind. Das alles bedeutet schlussendlich, dass die Fachkompetenz im Gesundheitswesen zunehmen muss!
In Spitälern, Alters- und Pflegezentren und Spitex-Organisationen arbeiten viele ausländische Fachkräfte. Interessieren sich zu wenig Schweizer für Berufe im Gesundheitswesen?
Die angesprochenen Institutionen haben in der Tat zusehends Mühe, inländisches Personal zu rekrutieren und auszubilden. Sie sind auf ausländische Fachkräfte unbedingt angewiesen. Unabdingbar ist, sie optimal in unsere Systeme zu integrieren und die Weiterbildung sicherzustellen. Der Beruf Fachfrau/- mann Gesundheit (FaGe) hat ein gutes Image und ist beliebt. Sicher sind Verbesserungen bezüglich Arbeitsbedingungen wie Autonomie am Arbeitsplatz, Wertschätzung oder Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Freizeit anzustreben, damit die neuen Fachleute nach der Ausbildung auch weiter auf diesem Beruf bleiben. Die Situation ist ernst: In etwa zehn Jahren droht dem Gesundheitswesen eine markante Personalknappheit!
Welches sind die Voraussetzungen für eine dreijährige Fa-Ge-Lehre?
Mindestens 16-jährig, abgeschlossene Sekundarschule und natürlich das Bedürfnis, im Gesundheitswesen zu arbeiten, was für den Umgang mit Patienten Kommunikationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen voraussetzt. Früher war das Mindestalter 18 Jahre. Wir haben aber mit den jüngeren Auszubildenden sehr gute Erfahrungen gemacht, sie sind zu meiner grossen Freude topmotiviert. Das gibt Mut für die Zukunft! Im Sinne der Qualitätssicherung auf der Sekundarstufe II besteht ab nächstem Jahr neu die Möglichkeit einer Attestlehre, die zwei Jahre dauert.
Gibt es auch Möglichkeiten für Wiedereinsteiger?
Ja, wir sehen in diesem Bereich ein grosses Rekrutierungspotenzial und bieten ab 2011 in Zusammenarbeit mit der Höheren Fachschule Gesundheit Zentralschweiz (HFGZ) einen Wiedereinstiegskurs in die Pflege an. Auch für ältere Quereinsteiger aus anderen Berufen wird eine praxisnahe Ausbildung zur Pflegefachperson auf der Stufe Höhere Fachschule angeboten. Wichtig scheint mir dabei, dass die grössere Lebenserfahrung und Geschichte dieser Auszubildenden mit in die Ausbildung einfliesst.
Kann man sagen, dass Berufe im Gesundheitswesen krisensicher sind?
Wie schon erwähnt: Der Personalbedarf wird weiter zunehmen, um die hohe medizinische Qualität und fachgerechte Pflege zu gewährleisten. Auch Spitex- und andere ambulante Dienstleistungen werden wachsen. Anderseits sollte an einer Reduktion der administrativen Belastung gearbeitet werden. Unter dem Motto: Zurück zum Kerngeschäft, der Pflege von Patienten!
Copyright © Neue Zürcher Zeitung AG
Alle Rechte vorbehalten. Eine Weiterverarbeitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von NZZ Online ist nicht gestattet.
Diesen Artikel finden Sie auf NZZ Online unter:
http://news.nzzexecutive.ch/arbeitsmarkt/uebersicht/das_gesundheitswesen_braucht_immer_mehr_fachpersonal_1.6253885.html











Senior Entwicklungs-ingenieur
Kunststofftech.
Wenn Sie diesen Artikel kommentieren möchten, melden Sie sich bitte mit Ihrem MyNZZ-Benutzernamen an. Diese Funktion ist an Wochenenden und Feiertagen gesperrt.