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4. Februar 2012, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

«Frauen sind gut genug –wir brauchen keine Quoten»

33 Fragen an Sara Hürlimann, CEO des Zahnarztzentrums Schweiz

Zoom

Interview: met.

Haben Sie Ihre Karriere von Anfang an genau vor sich gesehen?

Nein, das war nicht möglich. Aber ich bin glücklich darüber, wie sie sich entwickelt hat.

Ist die Weiterbildung im Management auf der Höhe der Zeit?

Wie überall gibt es auch in der Weiterbildung Trends. Es gibt jedoch auch alte und bewährte Prinzipien, die für mich nach wie vor Gültigkeit haben. So zum Beispiel Parkinson's Law: «Arbeit dehnt sich in genau dem Masse aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.»

Wie lauten Ihre Führungsgrundsätze?

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Bei unserer Arbeit steht immer das Wohl des Patienten im Mittelpunkt, die Qualität muss stimmen. Ich als Co-CEO möchte effizient und offen kommunizieren und gradlinig und verantwortungsvoll führen – diese Prinzipien gelten im Übrigen für unser gesamtes Unternehmen.

Ist kompetente Unternehmensführung überhaupt erlernbar?

Selbstverständlich. Es braucht eine gute Mischung zwischen dem Erlernen im Rahmen der Aus- oder Weiterbildungen sowie «learning on the job». Erfahrung kann durch Ausbildung allerdings nie ersetzt werden.

Haben sich Ihre Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?

Meine grundlegenden Prinzipien nicht, mein Führungsstil hingegen schon. Mit wachsender Erfahrung bin ich bei der täglichen Arbeit viel gelassener geworden.

Darf ein Chef auch Schwächen zeigen?

Kein Chef ist frei von Schwächen. Als Chefin versuche ich Vorbild zu sein und in der täglichen Arbeit meine Stärken in den Vordergrund zu rücken. Vorgesetzte haben Vorbildcharakter, Mitarbeitende müssen sich an ihnen orientieren können. Schwächen eines Vorgesetzten in den Kernkompetenzen sind schlecht für ein produktives Arbeitsumfeld.

Wie spüren Sie die gegenwärtige Wirtschaftslage?

Zum Glück sind wir davon kaum betroffen. In den letzten Jahren konnten wir ein stetes Wachstum verzeichnen. Wir haben Anfang Jahr sogar unser erstes Zentrum in Stockholm eröffnet und damit die Expansion ins Ausland gewagt. Neu bieten wir unsere Dienstleistungen auch beim Bahnhof Oerlikon an. Dies ist bereits das dritte Zentrum in der Stadt Zürich. Wir merken, dass Menschen an der eigenen Gesundheit zuletzt sparen.

Hat die globale Arbeitsteilung positive Effekte gebracht?

Für unser Unternehmen spielt die Globalisierung eine kleinere Rolle. Wir arbeiten hauptsächlich mit lokalen Partnern und bieten eine Dienstleistung für die lokale Bevölkerung an.

Können Sie sich Alternativen zur Globalisierung vorstellen?

Grundsätzlich kaum. Im kleineren Rahmen gibt es jedoch Alternativen. Die Unterstützung von lokalen Unternehmen erscheint mir wichtig. Ich fände es schade für die Schweiz, wenn die gesamte Produktion ins Ausland verlagert würde.

Was geht Ihnen auf die Nerven?

Menschen, die grundsätzlich eine negative Einstellung haben. Denn im Grunde ist alles möglich.

Worüber können Sie herzlich lachen?

Über meinen Mann und über meine vier Kinder.

Was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?

Mein Wunsch wäre es, dass sie mich als Chefin mit einer klaren Linie wahrnehmen, mich aber gleichzeitig als fair und korrekt beschreiben.

Wie reagieren Sie auf Kritik?

Ich nehme jede Kritik ernst – und leider auch persönlich.

Hat Sie Ihr Bauchgefühl auch schon einmal getäuscht?

Immer wieder, mit zunehmender Erfahrung aber immer weniger. Heute treffe ich zusätzliche Abklärungen, um eine Entscheidung zu fällen.

Stellen Sie auch ehemalige Arbeitskollegen und Freunde ein, oder ziehen Sie unbeschriebene Blätter vor?

Ich kann mir gut vorstellen, ehemalige Arbeitskollegen und Freunde einzustellen, wenn sie über einen entsprechenden Leistungsausweis verfügen und ins Team passen. Ich habe es bisher aber noch nicht getan.

Sind «Quotenfrauen» notwendig oder überholt?

Frauen sind gut genug. Wir brauchen keine Quoten. Die fähigste und am besten geeignete Person soll die Stelle bekommen.

Werden bei Ihnen Kandidaten gegoogelt?

Aus Neugierde, ja. Der Entscheid fällt jedoch aufgrund der Prüfungsnoten, des Vorstellungsgesprächs und der Referenz-Telefonate.

Falls Ihnen Ihr Smartphone abhandenkommt: Ist das ein Desaster für Sie und Ihre Terminplanung?

Im Verlieren von Smartphones habe ich einiges an Erfahrung. Ich gehe deshalb auf Nummer sicher und mache immer wieder Back-ups.

Welchen Stellenwert haben für Sie soziale Netzwerke, beruflich und privat?

Ich trenne grundsätzlich das Private vom Beruflichen. Soziale Netzwerke sind heute in der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. In der Freizeit pflege ich vor allem mein privates Netzwerk, am liebsten «face to face» und nicht über soziale Plattformen.

Was halten Sie von Managern, die in der Öffentlichkeit mit wenig Schlaf und Wochenendarbeit auftrumpfen?

Die tun mir leid. Und das Team dieser Manager auch. Denn meistens fordern sie das gleiche Verhalten von ihren Mitarbeitenden. Für mich zählt der Output, nicht die Anzahl Stunden, die eine Person arbeitet. Wer neben dem Beruf auch Hausarbeit leistet und Kinder hat, lernt, effizient und konzentriert zu arbeiten, um alles unter einen Hut zu bringen.

Würden Sie Ihre Karriere gegebenenfalls zugunsten eines humanitären Einsatzes aufgeben?

Ich kann hier in meiner Umgebung am meisten bewirken. Wir haben in der Deutschschweiz innerhalb von neun Jahren 310 Arbeitsplätze geschaffen. Dies sehe ich als meine Art von humanitärem Einsatz.

Wann und wo können Sie wirklich abschalten?

Zu Hause bei unseren vier Kindern. Ich habe gar keine andere Wahl, als mich nicht auf sie zu konzentrieren.

Sind Vorbilder noch aktuell oder eher hinderlich bei der Selbstverwirklichung?

Beruflich habe ich keine Vorbilder – ich gehe meinen eigenen Weg. Ich schätze jedoch Menschen, die es verstehen, das Leben zu geniessen, und eine gute und gesunde Einstellung zu Familie, Kindern und Freunden haben.

Was raten Sie dem Berufsnachwuchs – und den eigenen Kindern?

Ich rate ihnen, so viel wie möglich zu lernen und zu erleben, damit sie später selber entscheiden können, was sie arbeiten und wie sie ihr Leben gestalten möchten.

Wie wurden Sie durch Ihre ehemaligen Lehrpersonen eingeschätzt?

Als fleissige Schülerin hatte ich die Unterstützung der Lehrer auf sicher.

Hat Ihnen die Schule das wirklich Relevante vermittelt?

Das Studium der Zahnmedizin in meiner Heimat Schweden ist für mich die relevante Grundlage. Darauf habe ich meine gesamte Zukunft aufgebaut. Im Studium habe ich gelernt, einen komplexen Sachverhalt schnell zu analysieren und die wichtigsten Schlüsse daraus zu ziehen. Bei meiner täglichen Arbeit hilft mir das enorm.

Könnten Sie sich ein Leben im Kloster vorstellen?

Unmöglich. Ich bin ein sehr lebensfroher Mensch. Vieles, was ich mag oder gern mache, ist im Kloster verboten.

Kommen Sie manchmal zu spät?

Nein, ich bin gut organisiert. Käme ich einmal zu spät, wäre mein gesamter Terminplan durcheinander.

Glauben Sie an die Vorsehung und an das Schicksal?

Nein, ich glaube höchstens an Zufall. Und an die Fähigkeit, eine Chance zum richtigen Zeitpunkt zu erkennen und dann auch zu ergreifen.

Sind Sie zuversichtlich für die Schweiz?

Ja, absolut. Die Schweizer erlebe ich als sehr gradlinig. Sie gehen mit konstanten, aber kleinen Schritten vorwärts. Das ist gut und wird sich auch in Zukunft auszahlen.

Welche Probleme sollte die Politik unverzüglich anpacken?

Am wichtigsten: weniger staatliche Regulierung und die Förderung der Privatwirtschaft. Dazu Festhalten an Lehrlingswesen und Ausbildungssystem. Das Bildungssystem ist sehr gut; es wäre ein Rückschritt, dies dem europäischen Standard anzupassen.

Eine Ihrer Lebensweisheiten?

Ich bin zu jung, um weise zu sein.

Wie könnte die Titelüberschrift dieses Interviews lauten?

«Hart, aber herzlich».

Zur Person

Sara D. Hürlimann, 39, verheiratet und Mutter von vier Kindern im Alter von vier bis sieben Jahren, studierte in ihrer schwedischen Heimat und in Genf Zahnmedizin (Dr. med. dent.). Danach arbeitete sie in verschiedenen Zahnarztpraxen in der Schweiz. Sara Hürlimann und ihr Ehemann Christoph Hürlimann (lic. oec. HSG) gründeten «zahnarztzentrum. ch» mit Sitz in Winterthur im Jahr 2003. Das Unternehmen befindet sich mehrheitlich im Besitz der Gründer und Co-Geschäftsführer. Im vergangenen Jahr erzielte es einen Umsatz von gut 35 Millionen Franken. Das Unternehmen betreibt mit 310 Mitarbeitenden 15 Zentren, in denen sich seit 2003 über 100 000 Patienten behandeln liessen. Die Dienstleistungspalette umfasst sämtliche zahnmedizinischen Leistungen. Die Zentren sind an 365 Tagen im Jahr geöffnet, die Öffnungszeiten speziell auf die Wünsche berufstätiger Personen ausgerichtet. Sara Hürlimann obliegt die medizinische Leitung des Zentrums. Ausserdem ist sie für Marketing und Personal verantwortlich.


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