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26. November 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

«Beim Lernen den Spassfaktor nicht vernachlässigen»

33 Fragen an Matyas Lakatos, Geschäftsführer Amgen Schweiz

33 Fragen an Matyas Lakatos, Geschäftsführer Amgen Schweiz Zoom

33 Fragen an Matyas Lakatos, Geschäftsführer Amgen Schweiz

Interview: met.

Haben Sie Ihre Karriere von Anfang an genau vor sich gesehen?
Ja, aber bei Greenpeace oder Ärzte ohne Grenzen.
Ist die Weiterbildung im Management auf der Höhe der Zeit?
Das ist sehr unternehmensabhängig. Oft wird zu wenig auf Nachhaltigkeit fokussiert, so in der Nachwuchsförderung, im Talent-Management oder mit Blick auf gesundes Finanzmanagement. Ich halte nichts davon, heute Personal auf- und nächstes Jahr wieder abzubauen.
Wie lauten Ihre Führungsgrundsätze?

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Das Team steht stets im Vordergrund. Ein Manager sollte gut zuhören können, sich laufend weiterentwickeln wollen und in der Lage sein, Risiken zu bewerten. Er sollte bereit sein, seinem Unternehmen hohe Ziele zu setzen – aber am Ende muss er nicht nur Verantwortung delegieren, sondern auch selbst übernehmen.
Ist kompetente Unternehmensführung überhaupt erlernbar?
Klar: Ob im Selbststudium, durch Learning on the Job oder bei externen Fortbildungen – die auf das Individuum angepasste Kombination bringt den besten Erfolg. Freilich: Ganz ohne Talent geht es nicht.
Haben sich Ihre Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?
In einzelnen Bereichen habe ich mich schon verändert. Heute wäge ich noch intensiver als früher das Kosten-Nutzen-Verhältnis einzelner Massnahmen ab. Und ich setze den Teamgedanken noch konsequenter über Einzelinteressen.
Darf ein Chef auch Schwächen zeigen?
Ein Chef muss authentisch sein, um glaubhaft zu sein. Dazu gehört, dass er nicht immer stets so agiert, wie es das Lehrbuch vorschreiben würde.
Wie spüren Sie die gegenwärtige Wirtschaftslage?
Für die Pharmabranche bringt vor allem der starke Franken Gefahren mit sich. Bei der Festlegung der Medikamentenpreise werden ja Referenzpreise aus dem Ausland eingeholt. Obwohl sich unsere Kosten hier in der Schweiz ja nicht geändert haben, sinken unsere Erträge. Mittelfristig gefährdet diese Entwicklung nicht nur die in der Schweiz ansässigen Pharmaunternehmen, sondern auch die Qualität des Gesundheitswesens. In meiner Position habe ich noch grösseren Druck, genau zu evaluieren, wann ein neues, lebensrettendes Medikament eingeführt werden soll.
Hat die globale Arbeitsteilung positive Effekte gebracht?
Auf jeden Fall: Ich durfte in verschiedenen Positionen in globalen Projekten mitwirken, im Ausland arbeiten und habe als «Nebeneffekt» meine Frau in St. Petersburg kennengelernt. Auch Amgen könnte ohne den globalen Talente-Pool gar nicht erfolgreich arbeiten, ohne Recruiting im Ausland geht es nicht.
Können Sie sich Alternativen zur Globalisierung vorstellen?
Weniger für mich persönlich. Ich denke jedoch, dass eine reife, globalisierte Gesellschaft auch sinnvolle Nischen für jene anbieten muss, die sich nicht an der Globalisierung beteiligen wollen.
Was geht Ihnen auf die Nerven?
«Kann nicht, will nicht, geht nicht.»
Worüber können Sie herzlich lachen?
Über fast alles, aber nichts schlägt den Zynismus von Monty Python.
Was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?
Offen für Neues, leistungsgetrieben, ungeduldig, fördert seine Mitarbeiter und gibt ihnen viele Freiheiten, erwartet aber auch, dass sie Verantwortung übernehmen.
Wie reagieren Sie auf Kritik?
Nach aussen ruhig, innen brodelt's.
Hat Sie Ihr Bauchgefühl auch schon einmal getäuscht?
Leider nein. Mein Kopf hat schon wichtige Entscheidungen entgegen dem manchmal doch zuverlässigeren Reptilienhirn getroffen.
Stellen Sie auch ehemalige Arbeitskollegen und Freunde ein, oder ziehen Sie unbeschriebene Blätter vor?
Was zählt, ist, dass die Person qualifiziert ist, dass sie in das Team passt und ich ihr bedingungslos vertrauen kann. Ob ich die Person bereits kenne, spielt keine Rolle. Generell fällt die Entscheidung über eine Einstellung bei uns sowie immer im Team.
Sind «Quotenfrauen» notwendig oder überholt?
Im Gesundheitswesen braucht es bald eher eine Männerquote. In der Pharma sind Frauen als Fachkräfte auch in Führungspositionen etabliert. Andere Branchen müssen hier sicher noch aufholen. Generell sind die USA oder auch Osteuropa hier schon fortschrittlicher als Westeuropa.
Werden bei Ihnen Kandidaten gegoogelt?
Die Online-Aktivitäten potenzieller Mitarbeiter interessieren mich nicht wirklich.
Falls Ihnen Ihr Smartphone abhandenkommt: Ist das ein Desaster für Sie und Ihre Terminplanung?
Nein, aber für meine Assistentin, die mir wie neulich dringend ein neues Telefon besorgen muss. Ich habe auch gar kein Problem damit, den Laptop zu Hause zu lassen, wenn ich zwei Wochen in die Ferien fahre.
Welchen Stellenwert haben für Sie soziale Netzwerke, beruflich und privat?
Mein wichtigstes Netzwerk ist «Contacts» im Outlook beziehungsweise iPhone, denn damit kann ich mich verabreden oder telefonieren. Sonst nutze ich nur «LinkedIn» für geschäftliches Networking.
Was halten Sie von Managern, die in der Öffentlichkeit mit wenig Schlaf und Wochenendarbeit auftrumpfen?
Ich halte es für jedes Team für schädlich, wenn anderen auf diese Weise ein bestimmtes Verhalten aufgezwungen werden soll.
Würden Sie Ihre Karriere gegebenenfalls zugunsten eines humanitären Einsatzes aufgeben?
Wenn es mich erfüllte? Wenn ich damals nach dem Studium die Qualifikationen für Ärzte ohne Grenzen gehabt hätte, wäre ich ziemlich sicher nicht auf meinem jetzigen Posten.
Wann und wo können Sie wirklich abschalten?
Zu Hause, wo mich meine vierjährige Tochter zwingt, mich zu 100 Prozent mit ihr auseinanderzusetzen. Wenn ich auch davon abschalten will, helfen nur Tauchferien. Unter Wasser ist es dann wirklich nur noch entspannend.
Sind Vorbilder noch aktuell oder eher hinderlich bei der Selbstverwirklichung?
Da muss ich differenzieren. Persönlichkeiten, die ich als Vorbilder sehe, haben nachahmenswerte Facetten – aber auch Züge, die ich als klar hinderlich sehen würde. Ein Vorbild ist für mich nicht eine einzelne Person, sondern es sind besondere Eigenschaften von mehreren.
Was raten Sie dem Berufsnachwuchs – und den eigenen Kindern?
Lernen und in die Ausbildung investieren. Den Spassfaktor dabei bitte nicht vernachlässigen. Meiner Tochter wünsche ich, dass ihre Lust, sich als Ärztin zu verkleiden, anhält.
Wie wurden Sie durch Ihre ehemaligen Lehrpersonen eingeschätzt?
Knapp fähig bis nicht geeignet, das Gymnasium zu absolvieren. Zum Glück hatten sie nicht recht.
Hat Ihnen die Schule das wirklich Relevante vermittelt?
Indirekt schon. Ich habe gelernt, mich in eine Gruppe zu integrieren und auch Dinge zu schaffen, für die ich wenig Talent hatte. Der Biologieunterricht brachte mich in die Medizin. Was mir die Schule nicht vermitteln konnte, habe ich mir selbst angeeignet. So war ich nach dem Gymnasium eine Weile in Afrika, um fliessend Englisch sprechen zu lernen.
Könnten Sie sich ein Leben im Kloster vorstellen?
Nur mit Frau und Kind und wenn ich bis 7 Uhr im Bett bleiben dürfte.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Nein, dazu fehlt mir die Geduld (auch bei anderen).
Glauben Sie an die Vorsehung und an das Schicksal?
Es gibt sicherlich wichtige Momente im Leben, die über den weiteren Weg entscheiden. Wie man sich in diesen Momenten entscheidet, hängt jedoch von einem selber ab. Ich habe immer versucht, das Schicksal mit Erfolgswillen und Offenheit für Neues herauszufordern.
Sind Sie zuversichtlich für die Schweiz?
Ja – gibt es einen Grund, das nicht zu sein?
Welche Probleme sollte die Politik unverzüglich anpacken?
Sie sollte endlich über kurzfristige Wahlpolitik hinaus Partnerschaften anstreben, die unseren Wohlstand sichern. Ganz speziell im Gesundheitswesen, wo in der Schweiz – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – zu viele Feindbilder existieren und zu wenig gemeinsam angepackt wird.
Eine Ihrer Lebensweisheiten?
No Risk, no Fun.

Zur Person

Matyas Lakatos, 41, ist seit August 2009 General Manager von Amgen Switzerland mit Sitz in Zug. Nach dem Studium der Humanmedizin in Zürich und Budapest und dem Erwerb des Master of Business Administration (MBA) in Basel und Philadelphia arbeitete er in verschiedenen Funktionen in der Pharmabranche, unter anderem als Marketing Director von Schering Plough. Lakatos ist verheiratet und wohnt in Stallikon bei Zürich. Amgen wurde vor 30 Jahren in Kalifornien gegründet und gilt als Pionier der Biotechnologie. Mittlerweile beschäftigt der Konzern weltweit rund 17 000 Mitarbeiter und ist damit das weltgrösste Biotech-Unternehmen. Amgen erforscht, produziert und vermarktet vor allem Krebs-, Nieren- und Osteoporose-Medikamente. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 15,1 Milliarden Dollar. In der Schweiz ist neben der lokalen Niederlassung auch das internationale Headquarter ansässig, von dem aus alle Märkte ausserhalb von Nordamerika betreut werden. Amgen beschäftigt in der Schweiz gut 300 Mitarbeiter.


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