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30. August 2009, NZZexecutive

«Altbundesrat Furgler ist das perfekte Schweizer Modell»

33 Fragen an Emmanuel Kilchenmann, Zentralpräsident des Studentenvereins

Emmanuel Kilchenmann, Zentralpräsident des Schweizerischen Studentenvereins (Bild: Hanspeter Baertschi)Zoom

Emmanuel Kilchenmann, Zentralpräsident des Schweizerischen Studentenvereins (Bild: Hanspeter Baertschi)

NZZexecutive: Herr Kilchenmann, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Emmanuel Kilchenmann: Bauer. Ich war immer von Traktoren und Mähdreschern begeistert.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Dass man ohne Arbeit und Lernen nichts erreicht. Talent und Begabung haben ohne Arbeit kein Entfaltungspotenzial.
Welches war das grösste schulische Drama für Sie?
Trotz französischer Muttersprache besuchte ich die Schule auf Deutsch. Ich hatte eine sehr strenge Schwester als Lehrerin, die mir verbot, auch nur ein Wort in Französisch zu sprechen.
Haben Sie als Schüler gemogelt?
Ist schon passiert. Am häufigsten für einen Kollegen im Gymnasium, dem ich die Antworten weiterreichte.
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute stolz?
Auf den Schweizer-Meister-Titel im Biathlon 1999 in Einsiedeln. Ich gehörte nicht zu den Favoriten, aber mit Glück und einer hervorragenden Tagesform reichte es für Gold.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Die Ausbildung zum patentierten Bergführer.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Vorgesetzte im Militär und im Beruf und meine Familie.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Als Zentralpräsident des Schweizerischen Studentenvereins habe ich ein Amt mit einer 150-jährigen Tradition. Die täglichen Herausforderungen meines Amtes dagegen sind wesentlich aktueller Natur, stark von der zeitgenössischen Gesellschaft geprägt. Genau diese Mischung gefällt mir.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Mein grösster beruflicher Erfolg ist sicherlich die tägliche Kontinuität in meinen Anstrengungen. Erfolg sollte nicht punktuell gemessen werden, sondern vielmehr auf die Dauer.
Wenn Sie an Ihr erstes Bewerbungsgespräch zurückdenken: Woran erinnern Sie sich noch?
Ich war sehr müde, denn ich war im Militär am Abverdienen. Das Gespräch verlief gut, einmal abgesehen von meinen müden, roten Augen.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
Ich habe sie nie gezählt, aber sicher über 150.
Wie viele Stunden arbeiten Sie durchschnittlich pro Tag?

Das kann stark variieren, doch schnell einmal 12 bis 14.

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An welchem Ort können Sie am besten arbeiten und warum?
In aller Ruhe in den Bibliotheken.
In welchen Ländern haben Sie bisher gearbeitet – und wo wären Sie gerne noch tätig?
Ich kam bisher nicht in den Genuss eines Auslandaufenthaltes, aber ich kann mir viele Länder vorstellen, in denen ich tätig sein könnte.
Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
Ich habe Italienisch gelernt.
Wie hoch war Ihr erster Monatslohn?
Als Forschungsassistent an der Universität Lausanne erhielt ich 2000 Franken für ein 50-Prozent-Pensum.
Welches sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Ehrlichkeit, Mut, Bescheidenheit.
Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
Aus sportlichen Misserfolgen. Ich habe mich manchmal überschätzt und musste somit über die Bücher.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Respekt, Vertrauen und Beispielhaftigkeit.
Welche Person ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Der mittlerweile verstorbene Altbundesrat Kurt Furgler. Er ist das perfekte Schweizer Modell: Selbständigerwerbender, im Militär engagiert, für das Gemeinwesen tätig und glücklicher Familienvater.
Welche Person ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Ich fokussiere mich nicht gern auf eine einzige Person, sondern versuche lieber, die besten Charakteristika von unterschiedlichen Personen zu sehen und die sich daraus ergebenden positiven Elemente herauszuziehen.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Wenn sich Leute rein eigennützig, opportunistisch und egoistisch verhalten.
Worüber ärgern Sie sich im beruflichen Alltag, und was tun Sie dagegen?
Unkonstruktiv geführte Diskussionen und Heuchelei. Leider ist weder gegen das eine noch das andere ein Kraut gewachsen.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Die Kreativität und Eigeninitiative, die Mitarbeitende haben, wenn ihnen der Freiraum dazu gegeben wird.
Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
Mit Familie, Freunden, Lektüre und Sport.
Welche Netzwerke nutzen und pflegen Sie beruflich?
Ich habe mehrere Engagements in verschiedensten Strukturen: im Schweizerischen Studentenverein, im Militär und in der Politik. Diese sind aus persönlicher Überzeugung und nicht aus professionellen Interessen entstanden.
Welche persönliche Freiheit vermissen Sie am meisten?
Keine.
Was stört Sie am meisten als Staatsbürger?
Das fehlende Pflichtbewusstsein der Mitbürger. Wir haben in der Schweiz viele Rechte, doch nur wenige Leute sind sich bewusst, dass Rechte auch Pflichten bedeuten.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Ja, das kann passieren.
Ihre grösste Tugend?
Loyalität.
Ihr grösstes Laster?
Wenn ich von einer Sache überzeugt bin, kann ich manchmal sehr beharrlich sein.
Ihr Lieblingsfilm?
«Pride and Prejudice» mit Keira Knightly. Er zeigt eine bedingungslose und idealistische Vorstellung der Liebe zwischen Mann und Frau.
Was kaufen Sie selber ein – und wo tun Sie dies?
Eigentlich alles. Am liebsten im Dorfladen, doch leider immer mehr auch übers Internet.

Interview: jam.

Emmanuel Kilchenmann, 29, ist Zentralpräsident des Schweizerischen Studentenvereins (Schw. StV) und führt vier Mitarbeitende. Er studierte Wirtschaft und Recht an den Universitäten in Freiburg und Lausanne und doktoriert derzeit in Steuerrecht. Seit 2007 ist er persönlicher Mitarbeiter von Adrian Künzi, geschäftsführender Teilhaber der Privatbank Wegelin & Co.

Der Schweizerische Studentenverein zählt rund 7600 Mitglieder. Die Verbindungen verteilen sich auf 40 Mittel-, Hoch- und Fachhochschulen. 80 Prozent der Mitglieder stammen aus der Deutschschweiz, 20 Prozent aus dem französischen, italienischen und rätoromanischen Sprachraum. Die Pflege der Freundschaft, die Unterstützung im Studium und die Förderung der Sozialkompetenzen stehen im Mittelpunkt des Vereinslebens.

 


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Er studierte Wirtschaft und Recht an den Universitäten in Freiburg und Lausanne und doktoriert derzeit in Steuerrecht. Seit 2007 ist er persönlicher Mitarbeiter von...

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