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17. Dezember 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

«Ab und zu eine kleine Auszeit hält einen leistungsfähig»

33 Fragen an Jlona Vlach, Direktorin des Swiss Casinos Schaffhausen

Jlona Vlach, Direktorin des Swiss Casinos Schaffhausen Zoom

Jlona Vlach, Direktorin des Swiss Casinos Schaffhausen

Interview: met.

Haben Sie Ihre Karriere von Anfang an genau vor sich gesehen?

Nein, das habe ich nicht. Ich war immer offen für Neues und habe berufliche Aufgaben gewählt, die mir Freude bereiten, mich aber auch herausfordern. Dadurch konnte ich mich stets einbringen und mich weiterentwickeln.

Ist die Weiterbildung im Management auf der Höhe der Zeit?

Der Fokus hat sich meiner Meinung nach von einer allgemeinen zu einer stark individualisierten Weiterbildung verschoben. Im Vordergrund stehen heute das persönliche Coaching und die individuelle Stärkung von Managementprinzipien und Führungskräften. Hier die richtigen Angebote zu konzipieren, ist eine zentrale unternehmerische Aufgabe.

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Wie lauten Ihre Führungsgrundsätze?

Führen bedeutet für mich Vorbild und Motivatorin sein, vorausschauen und konsequent das Gesamtwohl verfolgen. Ich lege Wert auf Teamarbeit und offene Kommunikation auf und zwischen allen Stufen. Von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwarte ich Lösungsansätze für neue Aufgaben und von meinen Kaderleuten Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Und statt mich zurückzulehnen, richte ich den Blick auf das nächste Ziel.

Ist kompetente Unternehmensführung überhaupt erlernbar?

Wenn der Wille dazu da ist, auf jeden Fall. Voraussetzung ist, dass man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, dass man belastbar ist und sich nicht leicht aus der Ruhe bringen lässt.

Haben sich Ihre Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?

Nicht grundsätzlich, ich habe sie jedoch über die Jahre und mit der Erfahrung angepasst.

Darf ein Chef auch Schwächen zeigen?

Ja, natürlich, er ist ja auch nur ein Mensch. Entscheidend ist das Bewusstsein, dass einen keine Schwäche daran hindern darf, seine Verantwortung und seine Vorbildfunktion wahrzunehmen.

Wie spüren Sie die gegenwärtige Wirtschaftslage?

Wie viele Unternehmen in der Region spüren auch wir den starken Franken. Zusätzlich sind wir als grenznahes Kasino einem starken Wettbewerbsdruck vonseiten der vielen Spielhallen in Deutschland ausgesetzt, in denen praktisch unreguliert gespielt werden kann.

Hat die globale Arbeitsteilung positive Effekte gebracht?

Als lokales Unternehmen einer Schweizer Gruppe profitieren wir direkt nur wenig von der globalen Arbeitsteilung. Tatsache ist freilich, dass unser Land ohne Globalisierung niemals den Wohlstand hätte erarbeiten können, von dem wir heute alle profitieren.

Können Sie sich Alternativen zur Globalisierung vorstellen?

Die Globalisierung ist nicht aufzuhalten und kommt uns allen zugute. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass nationalen, regionalen und auch lokalen Gegebenheiten wieder mehr Gewicht einzuräumen ist, bei der Auswahl von Lieferanten und Partnern genauso wie bei der Pflege von Bräuchen und Kultur. Ein ganz kleines Beispiel aus dem Alltag: Der «Grittibänz», den wir unseren Mitarbeitenden zum «Samichlaus» offerieren, macht dem ganzen multikulturell zusammengewürfelten Team Freude und gibt immer wieder Anlass zum Austausch über die unterschiedlichen Bräuche rund um den Jahreswechsel.

Was geht Ihnen auf die Nerven?

Menschen ohne Anstand und Manieren.

Worüber können Sie herzlich lachen?

Über vieles! Ich liebe es zu lachen – auch über mich selber, wenn mir wieder einmal ein Missgeschick passiert ist.

Was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?

Das müssten Sie eigentlich meine Mitarbeiter fragen – aber ich denke, dass sie mich als fröhliche, optimistische, fordernde Chefin bezeichnen würden, die einen Hang zum Kontrollieren hat.

Wie reagieren Sie auf Kritik?

Ich nehme sie an und versuche, die Beweggründe zu verstehen.

Hat Sie Ihr Bauchgefühl auch schon einmal getäuscht?

Ja, das ist mir auch schon passiert. Der Kopf täuscht sich allerdings häufiger. Aber auch wenn beides im ersten Moment schmerzt, habe ich noch aus jedem Irrtum etwas gelernt.

Stellen Sie auch ehemalige Arbeitskollegen und Freunde ein, oder ziehen Sie unbeschriebene Blätter vor?

Voraussetzung ist immer, dass die Fähigkeiten dem Anforderungsprofil entsprechen und der Kandidat ins Team passt. Dann darf es gerne ein ehemaliger Arbeitskollege sein.

Sind «Quotenfrauen» notwendig oder überholt?

Sie sind nicht notwendig. Vonnöten ist jedoch ein guter Mix nicht nur geschlechterspezifisch, sondern auch bezüglich des Alters, der Erfahrung und des kulturellen Hintergrunds.

Werden bei Ihnen Kandidaten gegoogelt?

Je nach Funktion und Background kann das sinnvoll sein, Standard ist es allerdings nicht bei uns.

Falls Ihnen Ihr Smartphone abhandenkommt: Ist das ein Desaster für Sie und Ihre Terminplanung?

Im ersten Moment sicher, allerdings bin ich nicht Sklavin meines Smartphones, und die Welt würde deshalb nicht untergehen.

Welchen Stellenwert haben für Sie soziale Netzwerke, beruflich und privat?

Ich pflege meinen persönlichen und beruflichen Freundes- und Bekanntenkreis. Virtuelle soziale Netzwerke haben dagegen eher geringe Bedeutung für mich, weil mir die Zeit fehlt, dort wirklich präsent zu sein.

Was halten Sie von Managern, die in der Öffentlichkeit mit wenig Schlaf und Wochenendarbeit auftrumpfen?

Das muss jeder selber wissen. Persönlich halte ich nichts davon. Ich denke, man kann eine anspruchsvolle Aufgabe über längere Zeit nur dann mit Erfolg erfüllen, wenn man Körper und Geist Gelegenheit gibt, sich zu regenerieren. Ab und zu eine kleine Auszeit hält einen leistungsfähig und motiviert.

Würden Sie Ihre Karriere gegebenenfalls zugunsten eines humanitären Einsatzes aufgeben?

Ich kann mir gut vorstellen, einen humanitären Einsatz zu leisten. Ob ich dafür meine Karriere aufgeben würde, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Wann und wo können Sie wirklich abschalten?

Wenn ich mit meiner Familie oder Freunden zusammen bin, mich in der Natur aufhalte, bei Ausflügen und beim Sport.

Sind Vorbilder noch aktuell oder eher hinderlich bei der Selbstverwirklichung?

Persönlich habe ich ein Vorbild, und diese Person ist noch sehr aktuell. Man kann ein Vorbild selbstverständlich nicht kopieren, aber man kann von ihm lernen und Haltungen adaptieren, die einen überzeugen.

Was raten Sie dem Berufnachwuchs – und den eigenen Kindern?

Eine solide Ausbildung absolvieren, neugierig bleiben, immer das Beste geben und jederzeit zufrieden sein mit dem, was man hat.

Wie wurden Sie durch Ihre ehemaligen Lehrpersonen eingeschätzt?

Als aufgestellte, herzliche und manchmal auch etwas vorlaute Person.

Hat Ihnen die Schule das wirklich Relevante vermittelt?

Zusammen mit dem Elternhaus hat mir die Schule vor allem Werte wie Disziplin, Selbständigkeit und Respekt vermittelt.

Könnten Sie sich ein Leben im Kloster vorstellen?

Nein auf keinen Fall, dafür liebe ich den Kontakt zu Menschen zu sehr. Im Weiteren bin ich gerne unabhängig, spontan und wahrscheinlich auch zu quirlig für einen Klosterbetrieb.

Kommen Sie manchmal zu spät?

Das kommt selten vor und hat dann einen guten Grund. Ich lege viel Wert auf Pünktlichkeit.

Glauben Sie an die Vorsehung und an das Schicksal?

Es gibt schicksalhafte Begegnungen und Ereignisse. Einige kann man persönlich beeinflussen und in die eine oder andere Richtung lenken, anderen ist man machtlos ausgeliefert. Entscheidend ist, was man daraus macht. Und das liegt in jedem Fall in der eigenen Verantwortung.

Sind Sie zuversichtlich für die Schweiz?

Ja. Unser Land hat allerbeste Voraussetzungen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.

Welche Probleme sollte die Politik unverzüglich anpacken?

Vor allem muss sie wieder zur schweizerischen Qualität der parteiübergreifenden Zusammenarbeit zurückfinden. Und sie muss dafür sorgen, dass es sich auch in Zukunft lohnt, Verantwortung zu übernehmen und etwas zu leisten.

Eine Ihrer Lebensweisheiten?

Ein Tag, an dem man nicht lacht, ist ein verlorener Tag.

Wie könnte die Titelüberschrift dieses Interviews lauten?

«Entscheidend ist, was man daraus macht.»

Zur Person

Jlona Vlach, 40, ist seit 2007 Mitglied der Geschäftsleitung des Swiss Casinos Schaffhausen – zuerst als stellvertretende Direktorin, seit dem vergangenen Oktober als Direktorin. Die Stadtluzernerin absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und 2009 den Lehrgang Business Analysis der Schweizerischen Gesellschaft für Organisation und Management (SGO). Begonnen hatte die begeisterte Golferin, Yoga-Sportlerin und Rockkonzertbesucherin ihre Laufbahn in der Hotellerie, unter anderem im Mövenpick in Rom. Swiss Casinos Schaffhausen wurde am 1. September 2002 als erster neurechtlicher Betrieb der Swiss-Casinos-Gruppe eröffnet. Mit einem breiten Spielangebot an sechs Spieltischen und 107 Spielautomaten ist das Haus ein beliebter Treffpunkt in der Munotstadt. Es erzielte 2010 mit 70 Mitarbeitenden einen Bruttospielertrag von 13 Millionen Franken. Die Swiss Casinos Holding AG hält als einziges einheimisches Unternehmen Beteiligungen an fünf Schweizer Spielbanken und wird Ende 2012 das neue Zürcher Kasino eröffnen.


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2 Leserkommentare:
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Beat Mueller (22. Dezember 2011, 10:35)
Intransparentes Interview

Trotz dem interessanten Interview bleiben doch einige wichtige Fragen unbeantwortet. Dadurch wirkt das Interview intransparent, zum Teil sogar unglaubwürdig. Die Fragen:
1. Wie schafft man es, mit einer "kaufmännischen Ausbildung" als stellvertretende Direktorin bei einem Spielcasino eingestellt zu werden?
2. Frau Vlach wird als "Stadtluzernerin" dargestellt, hat aber offensichtlich aufgrund ihres Namens einen Migrationshintergrund. Welchen?
3. Wie sehen die familiären Verhältnisse von Frau Vlach aus? Hat sie Kinder, ist sie ledig, verheiratet etc.?

Philipp Obertüfer (19. Dezember 2011, 21:36)
ruhig schlafen

Und nun, sehr geehrte Frau Vlach, noch eine letzte Frage:
Können sie wirklich ruhig schlafen, im Wissen darum, dass viele Spielsüchtige ihr ganzes Geld in Casinos verzocken und somit Einzel- und Familienexistenzen stark strapaziert bis zerstört werden. Dadurch wird die Öffenlichkeit ebenfalls vielfältig und übermässig belastet.
Die Casinobetreiber sind geübt im ignorieren oder kleinreden dieser Fakten, welche allerdinges auf neutralen Erhebungen basieren.
Es ist ein Spiel mit gezinkten Karten, und auch sie beziehen davon ihren Lohn...
Aber entscheidend ist ja, was man daraus macht. Alles Gute

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