29. Mai 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
«Ich ärgere mich über Leute, die Fehler nicht eingestehen»
33 Fragen an Sabine Schmelzer, Präsidentin Business & Professional Women Switzerland


Sabine Schmelzer, 48, ist Präsidentin der Business & Professional Women (BPW) Switzerland.
Interview: bc.
NZZexecutive: Frau Schmelzer, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Designerin. Etwas Neues gestalten fand ich schon damals spannend.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Obwohl die strengen Lehrer damals unangenehm waren, habe ich bei ihnen am meisten gelernt. Das bedeutet, dass auch die unangenehmen Erfahrungen wichtig sind für das Leben.
Welches war das grösste schulische Drama für Sie?
Ich erinnere mich an keines.
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Haben Sie als Schülerin gemogelt?
Einmal bei der Mathe-Klausur gemeinsam mit anderen Schülern, die es geschafft hatten, die Aufgaben vorher dem Lehrer abzuluchsen.
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute besonders stolz?
Ich war aktiv im Sportverein, habe zeitweise das Kinderturnen mitgeleitet und war später im Vorstand des Sportvereins. Ich habe mich schon damals engagiert und Verantwortung übernommen.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Ein Studium in Public Governance.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Zwei meiner früheren Chefs und jetzt bei Business & Professional Women (BPW) zwei ehemalige internationale Präsidentinnen.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Ich kann neue strategische Ideen für den gesamten Verband in der Schweiz entwickeln und umsetzen und damit etwas zur Förderung der Frauen beitragen.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Ausser bei meinem ersten Job habe ich mich nur um eine weitere Position beworben. Ich bin sonst immer gefragt worden, ob ich die nächste Stelle übernehmen möchte. So auch bei BPW.
Wenn Sie an Ihr erstes Bewerbungsgespräch zurückdenken: Woran erinnern Sie sich noch?
Der Interviewer meinte, dass ich sehr gut vorbereitet sei, weil ich schriftliche Fragen mitgebracht hatte.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
Rund 150.
Wie viele Stunden arbeiten Sie durchschnittlich pro Tag?
Zwischen 8 und 10. Allerdings arbeite ich oft spätabends oder nachts, weil ich da am kreativsten bin.
An welchem Ort können Sie am besten arbeiten?
Das ist ganz unterschiedlich, da ich mit meinem Notebook überall arbeite. Damit kann ich auch auf einer langen Zugfahrt sehr gut lange Texte schreiben, weil ich dort ungestört bin durch Mails oder Anrufe.
In welchen Ländern haben Sie bisher gearbeitet – und wo wären Sie gerne noch tätig?
Ich habe früher in Deutschland gearbeitet, war für Projekte auch zeitweise in den USA, Frankreich und Italien. Ich würde gerne einmal in Hongkong oder Singapur arbeiten.
Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
Das war eine Fortbildung in Genuine Contact, einem holistischen Ansatz für Change-Prozesse.
Wie hoch war Ihr erster Monatslohn?
Mein Einstiegsgehalt waren 1200 DM im Jahr 1983 im Innendienst eines Saatzuchtunternehmens.
Welches sind Ihrer Ansicht nach die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Mut, Neugier und Beharrlichkeit.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Vertrauen, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit.
Welche Person ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Rosmarie Michel, Unternehmerin aus Zürich.
Welche Person ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Anita Roddick, Gründerin von Bodyshop, leider ist sie zu früh gestorben.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Vor grossen Veranstaltungen, wenn weniger positive Mitteilungen zu überbringen sind.
Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag, und was tun Sie dagegen?
Unehrlichkeit und Lügen; Leute, die Fehler nicht eingestehen können oder wollen. Selber auch Fehler eingestehen, damit die anderen sehen, dass es kein Untergang ist.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Engagement und Eigeninitiative.
Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
Am Wochenende lange ausschlafen oder ein spannendes Buch am Stück durchzulesen, ist für mich eine Mini-Auszeit. Ausserdem ab und zu in den Bergen wandern.
Welche Netzwerke nutzen Sie beruflich?
Natürlich die BPW – und das auch international. Zudem bin ich noch Mitglied bei den Toastmasters und bei der Kader-Organisation Schweiz.
Was stört Sie am meisten als Staatsbürgerin?
Dass Frauen immer noch zu einem sehr geringen Anteil in den Führungspositionen vertreten sind und sich in diesem Punkt wenig bewegt.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Ich gestehe, dass es manchmal vorkommt, allerdings nie bei wichtigen Terminen.
Ihre grösste Tugend?
Optimismus und Pragmatismus.
Ihr grösstes Laster?
Zu viele Ideen möglichst schnell umsetzen zu wollen.
Ihr Lieblingsbuch?
Das neueste: «Das Glück der Pellkartoffeln» von Sabine Asgodom. Sie zeigt, dass wir auch mit sehr wenig sehr glücklich sein können.
Ihr Lieblingsfilm?
«Patch Adams» mit Robin Williams. Der Film zeigte damals schon, dass Humor in der Medizin sehr viel zum Heilungsprozess beitragen kann.
Was kaufen Sie selber ein – und wo tun Sie dies?
Ich kaufe alles selber ein, meistens in den Geschäften der Umgebung.
Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?
Auf der strategischen Ebene eines KMU mitzuwirken und mitzuentscheiden sowie ein Social-Business-Unternehmen gründen. Bei mir gibt es immer mehr als nur eine Idee.
Sabine Schmelzer
Sabine Schmelzer, 48, ist Präsidentin der Business & Professional Women (BPW) Switzerland. Die staatlich anerkannte Wirtschaftsassistentin arbeitete als Projektleiterin in einer Unternehmensberatung, als Vertriebsleiterin und Key-Account-Managerin in Softwarefirmen. Heute betätigt sie sich als selbständige Trainerin und Beraterin. Schmelzer gehörte früher dem Bundesvorstand von BPW Germany an. Sie hat zwei erwachsene Kinder.
BPW ist schweiz- und weltweit der bedeutendste Verband berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen. Die Organisation setzt sich für die Gleichstellung und Chancengleichheit ein. BPW Switzerland zählt 2500 Frauen aus verschiedenen Berufen und Positionen zu seinen Mitgliedern. Der Verband ist mit 40 lokalen Klubs in allen Regionen der Schweiz vertreten.
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