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16. Oktober 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

«Mir macht die Arbeit Spass, und sie gehört zu meinem Leben»

33 Fragen an Nadja Ceregato, Leiterin Legal der Raiffeisen-Gruppe

Nadja Ceregato, Leiterin Legal der Raiffeisen-Gruppe und Präsidentin der Executive-M. B. L.-HSG-Alumni-Vereinigung Zoom

Nadja Ceregato, Leiterin Legal der Raiffeisen-Gruppe und Präsidentin der Executive-M. B. L.-HSG-Alumni-Vereinigung

Interview: jam.

NZZexecutive: Frau Ceregato, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Skirennfahrerin, weil ich ein Fan von Franz Klammer und Doris de Agostini gewesen bin.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Lesen, Rechnen und Schreiben.
Welches war das grösste schulische Drama für Sie?
Am ersten Schultag hat die Lehrerin gefragt, wer schreiben kann. Ich habe mich gemeldet und meinen Namen aufgeschrieben. Vor der Klasse hat sie mir gesagt, dass ich den Vornamen falsch geschrieben hätte: Nadia mit «i» statt mit «j». Seit diesem Tag schreibe ich meinen Namen mit «j», obwohl im Pass ein «i» steht.

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Haben Sie als Schülerin gemogelt?
Ja klar – ganz klassisch, mit Filzstift einen Spick auf Hände, Unterarm oder Knie geschrieben.
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute stolz?
Ich bin in einem nationalen Schreibwettbewerb mit meiner Geschichte in die Endauswahl gekommen und habe zusammen mit den anderen Finalisten eine Einladung zu einer Fernsehsendung erhalten.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie könnten?
Geschichte studieren, aber erst, wenn ich pensioniert bin.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Mein Geschichtslehrer im Gymnasium – er hat mir geraten, nicht Geschichte zu studieren.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Die Vielseitigkeit, der ich als Juristin bei Raiffeisen in einem national ausgerichteten Finanzdienstleistungsunternehmen täglich begegne. Ausserdem habe ich den Freiraum, Dinge anzupacken und umzusetzen, und ich schätze es sehr, in einem motivierten Team zu arbeiten. In meiner Funktion als Präsidentin Alumni M. B. L.-HSG ist es mir ein Anliegen, dass neben Freundschaften auch berufliche Kontakte und Kooperationen entstehen.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Dass ich mich im Unternehmen als kompetente und pragmatische Ansprechpartnerin etabliert habe. Der eigentliche Erfolg ist jedoch nie einer Person zuzuschreiben, man erzielt ihn immer nur in einem guten Team.
Wenn Sie an Ihr erstes Bewerbungsgespräch zurückdenken: Woran erinnern Sie sich noch?
Ich konnte mich während der Lizenziatsprüfung vorstellen und musste unter Zeitdruck ein «bewerbungstaugliches» Kostüm kaufen.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
Ich schätze, zwischen 70 bis 100.
Wie viele Stunden arbeiten Sie durchschnittlich pro Tag?
In intensiven Phasen sind Arbeitstage von 10 bis 12 Stunden keine Seltenheit. Meistens folgen darauf wieder normale Arbeitstage von rund 8 bis 9 Stunden.
An welchem Ort können Sie am besten arbeiten, und warum?
Im Büro, weil wir eine optimale Infrastruktur haben. Der gute Austausch im Team ist in meinem Beruf sehr wichtig.
Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
Ich habe ein berufsbegleitendes Nachdiplomstudium im europäischen und internationalen Wirtschaftsrecht (Executive M. B. L.-HSG) absolviert.
Wie hoch war Ihr erster Monatslohn?
1993 als Auditorin am Gericht habe ich mit einem Monatslohn von 2700 Franken brutto begonnen.
Welches sind Ihrer Ansicht nach die drei wichtigsten Gründe für Erfolg?
Authentizität, Freude an dem, was man tut, und ein bisschen Glück.
Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
Aus jenen Misserfolgen, bei denen ich begriffen habe, was zum Misserfolg geführt hat.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Berechenbarkeit, Transparenz, Vertrauen in die Mitarbeitenden.
Welche Person ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Ich begegne immer wieder Menschen, die mich aus unterschiedlichen Gründen beeindrucken, aber eigentliche Vorbilder habe ich keine.
Welche Person ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Unternehmer, die sozusagen bei «null» angefangen haben und ein erfolgreiches Unternehmen mit sicheren Arbeitsplätzen aufgebaut haben.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Wenn ich es mit Leuten zu tun habe, die eigene Interessen verfolgen, statt diese dem gemeinsamen Erfolg unterzuordnen.
Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag, und was tun Sie dagegen?
Unpünktlichkeit – ich beginne mit den Sitzungen und spreche die Unpünktlichkeit an.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Fachkompetenz, Entscheidungsfreudigkeit, Selbstverantwortung.
Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
Mir macht die Arbeit Spass, und sie gehört zu meinem Leben. Um Freiräume zu schaffen, planen mein Mann und ich Wochenenden für uns alleine und mit der Familie mindestens ein Jahr im Voraus. Diese Wochenenden fallen dann nicht geschäftlichen Verpflichtungen zum Opfer.
Welche Netzwerke nutzen und pflegen Sie beruflich?
M. B. L.-HSG-Alumni, Berufskollegen und Kooperationspartner.
Welche persönliche Freiheit vermissen Sie am meisten?
Ab und zu einfach so in den Tag hineinleben und Entscheide ohne Rücksicht auf das persönliche Umfeld nur für sich selbst treffen.
Was stört Sie am meisten als Staatsbürgerin?
Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Politiker in der Bevölkerung vorhandene Ängste, Unzufriedenheit und Konflikte instrumentalisieren, statt lösungsorientierte objektivierte Debatten zu führen.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Sehr selten.
Ihre grösste Tugend?
Ich bin nicht nachtragend.
Ihr grösstes Laster?
Ich habe ein bisschen den Hang zum Genussmenschen.
Ihr Lieblingsbuch?
Da ich mich beruflich viel mit Fachliteratur auseinandersetze, verschlinge ich in den Ferien reine Trivialliteratur.
Ihr Lieblingsfilm?
«Il postino» von Michael Radford mit Massimo Troisi. Es ist der einzige Film, den ich dreimal gesehen habe.
Was kaufen Sie wo selber ein?
In meiner Mittagspause kaufe ich regelmässig die Lebensmittel für das Abendessen mit der Familie ein.

Nadja Ceregato

Nadja Ceregato, 41, ist Leiterin Legal der Raiffeisen-Gruppe und Präsidentin der Executive-M. B. L.-HSG-Alumni-Vereinigung. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität St. Gallen war sie unter anderem als Gerichtsschreiberin beim Bezirksgericht See in Rapperswil tätig. 1997 erwarb sie das sankt-gallische Rechtsanwaltspatent. Ab 2000 folgten diverse Tätigkeiten bei der Raiffeisen-Gruppe. Ceregato ist mit Pierin Vincenz, dem Leiter der Raiffeisen-Gruppe, verheiratet und hat zwei Kinder.

Die Raiffeisen-Gruppe mit Sitz in St. Gallen gehört als genossenschaftlich strukturierte Bankengruppe zu den führenden Schweizer Retailbanken mit 3,3 Millionen Kunden; davon sind über 1,6 Millionen Genossenschafter. Die Gruppe verwaltet 112 Milliarden Franken Kundengelder.


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3 Leserkommentare:
Kommentare lesen

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Ali Ferkous (17. Oktober 2011, 19:10)
Juristen festigen das Bestehende

@Schlag et Mangold: Enttäuscht? Jurisprudenz gehört ja nicht zu den kreativen Beschäftigungen - die erste Frage, die eine Juristin beschäftigt ist: "Hatten wir das nicht schon mal?" und die schlagende Argumentation "Das haben wir schon früher so gemacht" nennt sich dann Präjudiz ;-)

Sandra Mangold (19. Oktober 2010, 22:38)
@ Schlag

Finde ich auch.

Robert Schlag (19. Oktober 2010, 01:24)
belanglos

So etwas langweiliges und belangloses habe ich selten gelesen.

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