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20. Juni 2009, NZZexecutive

«Ich wünschte mir mehr Platz, wo Spannendes entstehen kann»

33 Fragen an Michael Näf, Erfinder, Mitgründer und CEO von Doodle AG

NZZexecutive: Herr Näf, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Michael Näf: Als Kind hatte ich mir dazu keine Gedanken gemacht, aber mit etwa 13 war mir klar, dass ich Informatik studieren würde.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Analytisch denken, abstrahieren, auf das Wesentliche reduzieren, kritisch sein, Rechtschreibung.
Welches war das grösste schulische Drama für Sie?
Krank sein im Skilager. Oder Pro-Juventute-Briefmarken verteilen auf Bauernhöfen mit bissigen Hunden.
Haben Sie als Schüler gemogelt?
Selten. Wenn, dann hat das Schreiben des Spicks das Spicken unnötig gemacht.
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute stolz?
Darauf, dass ich mir grössere Anschaffungen schon früh durch Ferienjobs selber finanzierte.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie könnten?
Musik und mehr Sport.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Meine Eltern.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Sie ist spannend, herausfordernd, abwechslungsreich und lehrreich. Und sie befriedigt, weil wir mit Doodle sehr vielen Menschen Zeit und Nerven sparen.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Doodle.
Ihr erstes Bewerbungsgespräch: Woran erinnern Sie sich noch?
Bei einem meiner ersten Gespräche fragte man mich: «Sind Sie ein Streber?» Das fand ich eine gute Frage. Und ich fand auch meine Antwort gut.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
Ich schätze, ich kriege etwa 1000 Mails und beantworte etwa 100.
Wie viele Stunden arbeiten Sie?
Etwa 60 bis 80 pro Woche, aber mit sehr unterschiedlicher Intensität.

 

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Wo können Sie am besten arbeiten?
Im Büro wegen der arbeitsamen Stimmung, zu Hause wegen der Ruhe und beim Sport, weil da das Tagesgeschäft nicht mitkommt.
In welchen Ländern waren Sie tätig?
In den USA für ein Praktikum, dann in Bhutan und auf den Philippinen für kurze Beratungsaufträge.
Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
Seit der Unternehmensgründung bilde ich mich ständig kurzfristig dort weiter, wo gerade Bedarf besteht, meist durch Bücher oder Gespräche mit Experten. Einzelne Kurse besuche ich in allen Bereichen des Unternehmertums bzw. der Geschäftsführung.
Wie hoch war Ihr erster Monatslohn?
In einem Ferienjob in einer Gärtnerei verdiente ich 1987 ca. 2000 Franken.
Welches sind Ihrer Ansicht nach die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Das hängt von der Definition von Erfolg ab. Aber drei Dinge helfen wohl so oder so: Sorgfalt, Wille, Offenheit.
Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
Viele kleine Misserfolge entstehen, weil aussichtslose oder irrelevante Vorhaben zu spät abgeklemmt werden. Ich versuche deshalb, wenn nötig möglichst früh Nein zu sagen.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Transparenz, Konsistenz und Verfügbarkeit.
Welche Person ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Vorbilder gibt es nicht, aber immer wieder Personen, die mich beeindrucken – zuletzt Eiso Kant, ein 18-jähriger Spanier, der kürzlich seine eigene Firma gegründet hatte und mit viel Professionalität und Antrieb auf Networking-Tournee in den USA war.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Wenn wichtige Entscheidungen anstehen, bei denen der richtige Weg nicht einigermassen klar ist.
Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag?
Ich mag es immer weniger, wenn Diskussionen ohne ersichtlichen Zweck geführt werden. Also unterbreche ich, wenn die Diskussion abzuschweifen droht, und frage nach dem Fokus.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Dass sie Kritik üben und annehmen können.
Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
Ich versuche sicherzustellen, dass Work und Life nicht Gegensätze sind, die ausbalanciert werden müssen, sondern dass die Arbeit einen passenden Anteil meines Lebens belegt.
Welche Netzwerke nutzen Sie beruflich?
Ich bin nicht der sehr systematische Netzwerker; meine Netzwerke leben überall ein wenig: bei Xing, LinkedIn, auf Facebook und Twitter, in meiner Mailbox, im Visitenkartenstapel. Es gibt einige wenige Gruppen, die ich einigermassen regelmässig besuche, zum Beispiel die Informatik-Alumni sowie etliche Veranstaltungen im Umfeld der Startup-Szene Schweiz.
Welche Freiheit fehlt Ihnen am meisten?
Ich wünschte mir mehr Platz und Freiräume, in denen Spannendes entstehen kann.
Was stört Sie als Staatsbürger?
Wenn gut verdienende Leute sich über ihre Steuern beklagen. Und manchmal stört mich die Kleinheit unseres Landes, nicht nur bezogen auf die Fläche.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Ja, leider, selten, obwohl mir Pünktlichkeit sehr wichtig ist, für mich ist sie ein Ausdruck von Respekt.
Ihre grösste Tugend?
Meine Zuverlässigkeit.
Ihr grösstes Laster?
Schokolade, meine Pingeligkeit, mein Drang, immer den Fehler zu suchen.
Ihr Lieblingsbuch?
Die Stücke von Reto Finger, weil er mir die Hintergründe seiner Arbeit immer so schön erklärt.
Ihr Lieblingsfilm?
Ich mag die Simpsons, weil sie mich immer erfreuen.
Was kaufen Sie selber ein – und wo?
Schoggi in der Migros, Bier und Snacks beim Inder um die Ecke, Kommunikation bei Orange und Skype, Bücher bei Amazon, Gemüse und anderes im Chornlade beim Limmatplatz, Musik und Filme secondhand im SilverDisc.

Interview: nan.

Michael Näf, 35, Dipl. Informatik-Ing., erfand 2003 den Online-Terminplaner Doodle und ist CEO der gleichnamigen Firma. Er war nach dem Studium an der ETH Zürich zunächst Berater für Helvetas und in der IT-Sicherheit von Telekurs tätig. Ab 2003 war er Dozent und Assistent an der ETH sowie Verantwortlicher für IT-Sicherheit am Flughafen Zürich - und programmierte Doodle. 2007 gründete er zusammen mit einem Partner in Zürich erst eine GmbH, dann die Doodle AG.

Diese betreibt mit 9 Mitarbeitern mit doodle.com einen international führenden Terminplaner im Internet, angeboten in 29 Sprachen. Doodle ist eine der meistbesuchten Websites der Schweiz und wird monatlich von über 3 Millionen Usern genutzt. Die Finanzierung läuft über Werbung und einen auf Firmen ausgerichteten Dienst.

zum vorgängigen Interview mit

Sonja Bietenhard, Generalsekretärin Eveline Widmer-Schlumpfs

 

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