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30. Januar 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

«Persönliche Vorbilder? Meine Kinder und Olympioniken»

33 Fragen an Marc-André Giger, CEO des Sportdachverbandes Swiss Olympic

Marc-André Giger, 49, ist seit 2006 CEO von Swiss Olympic Zoom

Marc-André Giger, 49, ist seit 2006 CEO von Swiss Olympic

NZZexecutive: Herr Giger, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Journalist, weil ich immer wieder Neues kennenlernen und neuen Menschen begegnen wollte.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Es lohnt sich, dranzubleiben und auch Durststrecken zu überwinden. Dies mit Blick auf höhere Ziele.
Welches war das grösste schulische Drama für Sie?
Dass mein Primarschullehrer mir immer wieder zu verstehen gegeben hat: «Aus dir wird nie etwas Rechtes» – dies war für mich auch Ansporn, ihm das Gegenteil zu beweisen.
Haben Sie als Schüler gemogelt?
Ich habe mir hin und wieder einen Spickzettel geschrieben – eine gute Vorbereitung, um das Wesentliche auf den Punkt zu bringen. Gebraucht habe ich dieses «Management Summary» aber selten.
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute besonders stolz?
Dass ich als Pfadiführer andere Jugendliche für den Wald und das Naturerlebnis begeistern konnte und in jungen Jahren schon Verantwortung für andere übernehmen durfte.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Das Nachholen einer Ausbildung steht bei mir nicht im Vordergrund. Mir sind die permanente Weiterentwicklung, die Offenheit für Neues und die Vertiefung des bestehenden Wissens wichtig.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Früher waren es meine Eltern. Heute ist es meine Frau.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Die Möglichkeit, strategische Ideen entwickeln zu können und diese danach auch umsetzen zu dürfen.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Es ist für mich ein Erfolg, wenn es mir gelingt, Menschen mit heterogenen Interessen für eine übergeordnete Zielsetzung zu gewinnen.
Wenn Sie an Ihr erstes Bewerbungsgespräch zurückdenken: Woran erinnern Sie sich noch?
Der Chefredaktor der Lokalzeitung teilte mir mit, dass man keinen freien Sportjournalisten mehr brauche. Wochen später erhielt ich dennoch einen Anruf, verbunden mit einem Probeauftrag. Aber nicht für ein Fussballspiel, sondern für ein klassisches Konzert. Ich sagte damals trotzdem zu.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
150 bis 180.
Wie viele Stunden arbeiten Sie durchschnittlich pro Tag?

So viel wie notwendig.

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An welchem Ort können Sie am besten arbeiten, und warum?
Besprechungen halte ich am liebsten im Büro ab. Konzeptionelle Arbeiten erledige ich gerne im Zug. Die vorüberziehende Landschaft inspiriert mich. Ideen kommen mir vor allem beim Laufen im Jura oder im Engadin.
In welchen Ländern haben Sie bisher gearbeitet – und wo wären Sie gerne noch tätig?
In der Schweiz. In meiner jetzigen Tätigkeit bin ich rund zwölf Wochen im Ausland und stelle fest: Ein kulturell wenig vertrautes Arbeitsumfeld kann sehr bereichernd sein.
Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
Kommunikation in der Krise.
Wie hoch war Ihr erster Monatslohn?
Gut 2000 Franken als Volontär auf der NZZ-Wirtschaftsredaktion (1992).
Welches sind die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Inneres Engagement, in der Lage sein, gute Ideen umzusetzen, und die notwendige Portion Glück.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Er ist integer, entscheidungsfreudig und schenkt Vertrauen.
Welche Person ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Meine Kinder sind mir in ihrer Art, wie sie die Welt noch unvoreingenommen betrachten, genauso Inspiration wie ein Sportler, der sich fokussiert auf Olympia vorbereitet.
Welche Person ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Ich hatte bisher immer das Glück, von meinen Vorgesetzten etwas lernen zu können.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Nie.
Worüber ärgern Sie sich im beruflichen Alltag, und was tun Sie dagegen?
Wenn in Sitzungen Nebensächlichkeiten in den Vordergrund gerückt werden, die den Blick aufs Ganze verstellen. Dann gehe ich auf Distanz, um die Sache bewusst wieder auf den Punkt zu bringen: «Worum geht es?»
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Engagement, Integrität, Loyalität und Zuverlässigkeit.
Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
Ich schätze das Zusammensein mit meiner kulturell interessierten Frau und mit meinen sportbegeisterten Kindern.
Welche Netzwerke nutzen und pflegen Sie beruflich?
Kontakte aus meiner früheren journalistischen Tätigkeit. Ich pflege auch Kontakte zu den Mitgliedern des National- und Ständerats und zu meinen ehemaligen Kommilitonen an den Universitäten Basel und St. Gallen.
Welche persönliche Freiheit vermissen Sie am meisten?
Spontan bei Sonnenaufgang über die Jurahöhen joggen zu können.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Selten.
Ihre grösste Tugend?
Ich habe eine positive, optimistische Grundhaltung, bin begeisterungsfähig und offen für Neues.
Ihr grösstes Laster?
Ich gerate beim Geburtstagskuchen meiner Frau leicht in Versuchung . . .
Ihr Lieblingsbuch?
«Rashida oder der Lauf zu den Quellen des Nils» von Marc Buhl.
Ihr Lieblingsfilm?
Italowestern aus den 1980er-Jahren.
Was kaufen Sie selber ein?
Kleider. Wenn ich den Zug verpasst und damit eine Stunde Zeit habe.
Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?
Eine Reise durch den Himalaja mit meiner Familie oder eine Atlantiküberquerung mit der Segeljacht.

 

Interview: jam.

 

Marc-André Giger, 49, ist seit 2006 CEO von Swiss Olympic. In dieser Funktion ist er auch Generalsekretär und vertritt die Interessen von Swiss Olympic in den Gremien des Internationalen Olympischen Komitees. Im Weiteren ist er Delegationschef der Schweizer Mission an den Winterspielen in Vancouver. Bis 2006 war der Ökonom (Universität Basel) Direktor von Santésuisse. Giger ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Swiss Olympic vereint das frühere Nationale Olympische Komitee und den einstigen Schweizerischen Landesverband für Sport. Der Dachverband mit Sitz in Ittigen bei Bern vertritt indirekt rund 1,5 Millionen Sporttreibende in 22 600 Vereinen. Der Jahresumsatz - die Einnahmen rühren vor allem aus staatlichen Lotteriegeldern - beträgt rund 43 Millionen Franken.

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