20. November 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
«Der Sport hat mir den nötigen «Biss» gegeben»
33 Fragen an Kathrin Baumann, CEO Gamma Catering


Kathrin Baumann hält wenig von «Quotenfrauen». (Bild: Christian Beutler / NZZ)
Haben Sie Ihre Karriere von Anfang an genau vor sich gesehen?
Nein, in meiner Schulzeit hat mich der Sport sehr viel stärker interessiert als ein fleissig absolviertes Studium. Rückblickend hat genau das auch meinen Ehrgeiz geprägt und mir den nötigen «Biss» gegeben.
Ist die Weiterbildung im Management auf der Höhe der Zeit?
Ich stecke gerade im letzten Semester zum Master of Advanced Studies (MAS) Brand and Marketing Management. Dieser Lehrgang orientiert sich stark am Marktgeschehen. Aber auch die schweizerische Hotelfachschule in Luzern hat mir branchenspezifisches Know-how und das notwendige Rüstzeug für die Führung vermittelt. Eine Weiterbildung auf der Managementebene steht im Übrigen immer auch im Zusammenhang mit den Erfahrungen, die man bereits gemacht hat.
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Wie lauten Ihre Führungsgrundsätze?
Ein Chef muss die Materie verstehen, damit er glaubwürdig ist. Für mich ist es dann wichtig, auf die Stärken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu setzen und diese zu fördern. Ich lege Wert auf eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der Herausforderungen positiv angegangen werden und resultatorientiert gearbeitet wird.
Ist kompetente Unternehmensführung überhaupt erlernbar?
Ja, auf jeden Fall. Das erlernte Fachwissen bildet die notwendige Basis für eine erfolgreiche Unternehmensführung. Mitentscheidend sind jedoch auch die Erfahrungen, die man «on the job» macht, und die Sozialkompetenz, die man mitbringt.
Haben sich Ihre Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?
Sie haben sich nicht grundlegend verändert. Aber meine Führungsprinzipien haben sich weiterentwickelt, und ich habe sie mit neuen Erkenntnissen angereichert.
Darf ein Chef auch Schwächen zeigen?
Ja natürlich. Ein Chef ist nicht unfehlbar. Er muss aber in den ausschlaggebenden Momenten die Situation im Griff haben. Das ist Teil seiner Aufgabe und darf von ihm verlangt werden. Dafür trägt er ja auch Verantwortung.
Wie spüren Sie die gegenwärtige Wirtschaftslage?
Für uns zeigt sich die derzeitige Wirtschaftslage vor allem in der Kurzfristigkeit der Aufträge. Das Geschäft wird somit schwer planbar. Daher ist rasches Agieren gefragt.
Hat die globale Arbeitsteilung positive Effekte gebracht?
In bestimmten Branchen ist dies sicher der Fall. Im Bereich der Lebensmittel setze ich dagegen ein grosses Fragezeichen dahinter.
Können Sie sich Alternativen zur Globalisierung vorstellen?
Die Globalisierung bringt viele positive Aspekte mit sich und ist grundsätzlich ein Fortschritt. Man muss sie aber auch situativ hinter- fragen und wo möglich und sinnvoll auf Regionalität setzen.
Was geht Ihnen auf die Nerven?
Ich mag es nicht, blockiert zu sein.
Worüber können Sie herzlich lachen?
Über Anekdoten aus meiner Schulzeit und dem Alltag.
Was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?
Die Mitarbeitenden, die mich aus meiner früheren Position kennen, schätzen mein offenes Auftreten, meine Direktheit und meine positive Einstellung.
Wie reagieren Sie auf Kritik?
Konstruktive Kritik empfinde ich als bereichernd. Sie bringt mich weiter.
Hat Sie Ihr Bauchgefühl auch schon einmal getäuscht?
Ich stelle selten ausschliesslich auf mein Bauchgefühl ab. Oft hinterfrage ich es auch rational, um zum Entscheid zu kommen.
Stellen Sie auch ehemalige Arbeitskollegen und Freunde ein, oder ziehen Sie unbeschriebene Blätter vor?
Relevant ist für mich allein, ob die Person für die Position die richtigen Voraussetzungen mitbringt – auf der fachlichen und der sozialen Ebene.
Sind «Quotenfrauen» notwendig oder überholt?
Eine Position soll meines Erachtens unabhängig vom Geschlecht besetzt werden. Professionalität und Eignung sind die wichtigen Faktoren. Dass diese Eigenschaften auch Frauen mitbringen, steht ja ausser Frage.
Werden bei Ihnen Kandidaten gegoogelt?
Es kommt vor, dass wir über das Internet zusätzliche Informationen einholen. Dies ersetzt aber nie die Bewerbung und das persönliche Gespräch.
Falls Ihnen Ihr Smartphone abhandenkommt: Ist das ein Desaster für Sie und Ihre Terminplanung?
Ich synchronisiere mein iPhone regelmässig mit dem Notebook, im Notfall schliesse ich ein neues an. Viel schlimmer wäre es, wenn ich bei einem Verlust vorübergehend nicht telefonieren könnte.
Welchen Stellenwert haben für Sie soziale Netzwerke, beruflich und privat?
Vernetzung ist für mich wichtig. Die sozialen Netzwerke eröffnen eine neue Art der Kommunikation, die ich beruflich und privat schätze und nutze. Ich versuche aber, Privates und Geschäftliches zu trennen – auch wenn dies nicht immer möglich ist.
Was halten Sie von Managern, die in der Öffentlichkeit mit wenig Schlaf und mit Wochenendarbeit auftrumpfen?
Das beeindruckt mich wenig. Eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit wirkt sich am Ende auch positiv auf das Engagement im Job aus. Wichtig ist auch die Vorbildfunktion der Manager gegenüber den Mitarbeitenden. Es ist nicht die Anzahl der gearbeiteten Stunden, die einen guten Mitarbeiter auszeichnet.
Würden Sie Ihre Karriere gegebenenfalls zugunsten eines humanitären Einsatzes aufgeben?
In der jetzigen Phase nicht.
Wann und wo können Sie wirklich abschalten?
Ich bin in meiner Freizeit gerne in der Natur – da kann ich am besten abschalten und neue Energie tanken.
Sind Vorbilder noch aktuell oder eher hinderlich bei der Selbstverwirklichung?
Mehrere Vorbilder zu haben, finde ich fördernd für die Selbstverwirklichung. Man erweitert seinen Horizont und orientiert sich an den Eigenschaften, die man bewundert.
Was raten Sie dem Berufsnachwuchs – und den eigenen Kindern?
Sich etwas auszusuchen, das Spass macht und das sie erfüllt. Dann überspringt man manches Hindernis mit Leichtigkeit.
Wie wurden Sie durch Ihre ehemaligen Lehrpersonen eingeschätzt?
Diese Frage würde auch ich gerne meinen ehemaligen Lehrerinnen und Lehrern stellen.
Hat Ihnen die Schule das wirklich Relevante vermittelt?
Die Schule hat mir einen guten Mix aus Theorie und Praxis vermittelt. Dies habe ich besonders geschätzt. Menschenkenntnis – eine der wichtigsten Eigenschaften in einer Führungsposition aus meiner Sicht – ist aber etwas, das man nicht auf der Schulbank lernen kann.
Könnten Sie sich ein Leben im Kloster vorstellen?
Nein.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Ich bin schon eher knapp unterwegs, Staus mag ich deshalb gar nicht.
Glauben Sie an die Vorsehung und an das Schicksal?
Nein, ich bin der Überzeugung, dass wir für unser Leben selbst verantwortlich sind.
Sind Sie zuversichtlich für die Schweiz?
Ja, auf jeden Fall. Die Schweiz ist ein Land mit sehr viel Potenzial. Sie geniesst eine hohe Glaubwürdigkeit.
Welche Probleme sollte die Politik unverzüglich anpacken?
Die Thematik des starken Frankens scheint mir zentral. Die Schweiz, die besonders im Dienstleistungssektor stark ist und vom Tourismus lebt, wird davon auch in Zukunft stark betroffen sein.
Eine Ihrer Lebensweisheiten?
Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag.
Wie könnte die Titelüberschrift dieses Interviews lauten?
«Staus kann ich nicht ausstehen.»
Kathrin Baumann
Kathrin Baumann, 32, diplomierte Hotelière-Restauratrice HF/SHL, ist seit 2008 für die Gamma Catering AG tätig, zunächst als Leiterin Sales & Marketing sowie stellvertretende Geschäftsführerin. Im Juli 2011 übernahm sie die Geschäftsführung des Catering- und Event-Unternehmens. Ihre Karriere begann die Luzernerin 2004 als Assistant Manager im Beachcomber Hotel in Koh Samui (Thailand). 2006 bis 2008 war sie als Sales Manager für Titlis Rotair & Hotel Terrace verantwortlich. Die Gamma Catering AG wurde 1986 von Peter Gamma in Zug gegründet. Das Unternehmen steht für hochstehende gastronomische Kompetenz, persönliche Beratung und massgeschneiderte Angebote. Der Hauptsitz ist in Hünenberg, mit Zweigniederlassungen in Basel, Genf und St. Moritz. Für die Expo 2010 in Schanghai richtete Gamma Catering das Restaurant im Schweizer Pavillon ein. Weitere Events im Portfolio sind der «White Turf» in St. Moritz und das Zürcher Zoofest. Das Unternehmen beschäftigt 36 Festangestellte.
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