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19. März 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

«Gerne liesse ich mich noch zur Hebamme ausbilden»

33 Fragen an Iris Augsburger Kuenzi, Inhaberin der «H2O Wasser erleben AG»

Iris Augsburger Kuenzi, Inhaberin der «H2O Wasser erleben AG» Zoom

Iris Augsburger Kuenzi, Inhaberin der «H2O Wasser erleben AG»

Interview: nan.

NZZ-Executive: Frau Augsburger, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Hebamme. Babys, ihre Entwicklung und die Eltern-Kind-Beziehungen haben mich schon immer fasziniert.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
An sich und seine Fähigkeiten zu glauben. Dank meinem Lehrer hatte ich trotz Mathe-Schwäche den Mut, einen Beruf zu wählen, in dem Zahlen eine wichtige Rolle spielen.
Ihr grösstes schulisches Drama?

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Das Schnellrechnen-Spiel. Wer das Resultat als Erster rief, durfte sich setzen. Ich stand und stand . . .
Haben Sie als Schülerin gemogelt?
Nur in Fächern in denen ich keinen Ehrgeiz entwickelte, etwa Geografie. Dies verfolgt mich bis heute, weil ich immer noch nicht weiss, welche Berge ich von meinem Fenster aus sehe.
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute stolz?
Ich leistete bei einem Töffunfall fast alleine erste Hilfe, während ältere Erwachsene nur als Gaffer aktiv wurden. Dieses Erlebnis erschütterte mein damaliges Menschenbild nachhaltig.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie könnten?
Die Hebammenausbildung.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Meine Eltern, obwohl ich selber immer ganz genau wusste, was ich wollte – und wie ich es erreichen kann.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Strahlende Kinderaugen und stolze Eltern! Ich trage dazu bei, dass Kinder ganzheitlich und mit hohem Spassfaktor gefördert werden und so eine intensive Beziehung zu den Betreuungspersonen entsteht.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Als mein Bruder im Jahr 2004 als Teilhaber in die Firma einstieg. Wir ergänzen uns hervorragend, das ist die Basis unseres Erfolgs.
Ihr erstes Bewerbungsgespräch: Woran erinnern Sie sich noch?
An die Gewissheit, dass ich den Job ganz bestimmt nicht annehmen würde.
Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Tag?
Arbeit und Freizeit vermischen sich. Dies birgt zwar gewisse Gefahren, liegt mir aber persönlich ganz gut. Abwechslung inspiriert mich.
Wo können Sie am besten arbeiten?
Mit Laptop grundsätzlich überall. Die wichtigsten Entscheide fälle ich aber beim Essen mit meinem Bruder oder beim Lauftraining im Wald.
In welchen Ländern waren Sie tätig?
Wir beschränken unsere Aktivitäten im Moment auf die Schweiz, sie bietet noch viel Potenzial. Aber Nachbarländer wie Deutschland wären eine interessante Herausforderung.
Ihre letzte Weiterbildung?
Kinesik, die Analyse von Körpersprache. Ich habe mir angewöhnt, meine Mitmenschen genau zu studieren. Das ist sehr aufschlussreich.
Wie hoch war Ihr erster Monatslohn?
400 Franken, 1987, als ich meine Lehre als Pharma-Assistentin begann. Das lag damals über dem Durchschnitt, und ich war sehr stolz darauf.
Welches sind die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Intaktes Umfeld, klare Prioritäten und Talent.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Klare Kommunikation, Fairness, Verantwortungsbewusstsein.
Wer ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Roger Federer. Er hat Erfolg, weil er nicht nur Talent hat, sondern klare Prioritäten setzt und es geschafft hat, ein intaktes Umfeld zu erhalten.
Wer ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Gunther Frank, der «Guru» für modernes Schwimmtraining. Mit seinen revolutionären Methoden hat er massgebend zur Förderung der koordinativen Fähigkeiten bei Sportlern beigetragen. Er war es auch, der mich dazu angeregt hat, selber neue Wege einzuschlagen und mit der Methode «Augsburger» meinen eigenen Ansatz fürs Babyschwimmen zu entwickeln.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Wenn ich gezwungen bin, Prioritäten zu setzen, obwohl alle Pendenzen gleich wichtig sind.
Worüber ärgern Sie sich immer wieder?
Über Menschen, die viel reden, nichts leisten und sich dennoch enorm wichtig nehmen – ich weiche ihnen aus, beruflich wie privat.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Ihre Motivation, ihr Fachwissen, ihre Begeisterung für Eltern und Kinder.
Was tun Sie für Ihre Work-Life-Balance?
Sport in der Natur oder in meiner grossen Badewanne zu Hause.
Welche Netzwerke nutzen Sie?
Ich bin eine Macherin und beschäftige mich lieber mit direkt geschäftsrelevanten Tätigkeiten – auch wenn mir klar ist, dass gut gepflegte Netzwerke durchaus ihre Vorteile haben. Da kann ich sicher noch zulegen.
Welche persönliche Freiheit fehlt Ihnen?
Zeit für mich alleine zu haben.
Was stört Sie als Staatsbürgerin?
Inkompetente Bundesräte beziehungsweise Politiker.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Ja, dabei habe ich jedes Mal ein schlechtes Gewissen und schwöre mir, dass es nie mehr vorkommen soll.
Ihre grösste Tugend?
Meine positive Lebenseinstellung.
Ihr grösstes Laster?
Meine – chronische – Ungeduld.
Ihr Lieblingsbuch?
«Die Menschenleserin» von Jeffery Deaver. Ein Thriller mit gut recherchiertem Hintergrund, packend erzählt, und er lässt einen dennoch tief ins Thema eintauchen.
Ihr Lieblingsfilm?
«The Big Blue» von Luc Besson. Der Hauptdarsteller Jean-Marc Barr zeigt eindrücklich, dass Begeisterung und Besessenheit oft nahe beieinander liegen. Eric Serra hat die Musik komponiert, ein wahres Meisterwerk!
Was kaufen Sie selber ein – und wo?
Den Wocheneinkauf zu erledigen, ist für mich das Schlimmste. Deshalb tue ich dies oft im Internet. Ab und zu gönne ich mir eine Shoppingtour im Berner «Westside», weil mir das Konzept gefällt und die Läden nahe beieinander sind.
Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?
Ich setze mir meine Ziele kurzfristig und immer so, dass ich sie innerhalb der gesetzten Frist erreichen kann. Diese Strategie trägt wesentlich zu meinem Wohlbefinden bei.

Iris Augsburger Kuenzi

Iris Augsburger Kuenzi, 40, ist Inhaberin und VR-Präsidentin der «H 2 O Wasser erleben AG». Nach einer Lehre als Pharma-Assistentin war die Berner Oberländerin bei einer Krankenkasse und in einer Zahnarztpraxis tätig. Daneben bildete sie sich weiter, gab Schwimm- und Wasserfitnesskurse und entwickelte eigene Unterrichtsmethoden. 1995 gründete sie ihre erste Schwimmschule. Augsburger ist verheiratet und hat drei Kinder.

Die «H 2 O Wasser erleben AG», 2004 von Iris Augsburger und ihrem Bruder gegründet, ist laut Eigenangaben die grösste Anbieterin professioneller Schwimmkurse für Babys und Kleinkinder in Europa. Wöchentlich besuchen 3000 Kinder einen von über 370 Kursen in der Schweiz. Die Spiezer Firma erzielt mit 55 Angestellten einen Umsatz von 2,6 Millionen Franken.


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