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28. Januar 2012, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

«Wenn alle gut informiert sind, kann nicht viel schiefgehen»

33 Fragen an Edmond Lim, General Manager Schweiz der Singapore Airlines

Edmond Lim leitet seit November 2011 das Schweizer Team der Singapore Airlines in Zürich. (Bild: Karin Hofer / NZZ)Zoom

Edmond Lim leitet seit November 2011 das Schweizer Team der Singapore Airlines in Zürich. (Bild: Karin Hofer / NZZ)

Haben Sie Ihre Karriere von Anfang an genau vor sich gesehen?

Nicht wirklich. Der Weg war indes hochinteressant, und ich kann mich glücklich schätzen, in einer Firma gelandet zu sein, die so viele Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

Ist die Weiterbildung im Management auf der Höhe der Zeit?

Wir haben schon immer viel Wert auf die Weiterbildung unserer Mitarbeiter gelegt. Führungskräften werden zudem Weiterbildungsmöglichkeiten an besten Universitäten angeboten.

Wie lauten Ihre Führungsgrundsätze?

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Ich lege grossen Wert auf eine gute und offene Kommunikation mit den Mitarbeitern. Wenn alle gut informiert sind, kann nicht viel schiefgehen.

Ist kompetente Unternehmensführung überhaupt erlernbar?

Sicherlich. Managementmethoden können unterrichtet werden. Die Herausforderung ist aber, die gelernte Theorie in die Praxis umzusetzen.

Haben sich Ihre Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?

Bevor ich in die Schweiz kam, war ich in verschiedenen Positionen in Indien, Ägypten und Singapur tätig. Die Grundlagen bleiben zwar überall etwa die gleichen, jedoch erfordert jede Station einen den örtlichen Verhältnissen angepassten Führungsstil. Dies gilt auch für den Service auf unseren Flügen. Die Qualität unseres Bordservice ist auf allen Flügen konstant gut, jedoch offerieren wir auf manchen Flügen, je nach Abreise- und Zielort, eine Menuauswahl, die auf den Geschmack der Passagiere abgestimmt ist. Auch die Sprache der Durchsagen und die Filmauswahl an Bord werden an die jeweilige Kundschaft angepasst.

Darf ein Chef auch Schwächen zeigen?

Ich sehe es als eine Stärke, wenn ein Chef – auch ein Angestellter – seine Fehler eingestehen kann. Wenn er dann auch noch zeigt, wie aus einem Fehler gelernt werden kann, entsteht ja sogar ein Mehrwert.

Wie spüren Sie die gegenwärtige Wirtschaftslage?

Die Lage ist momentan unsicher. Die gute Nachricht sind die konstante Auslastung in der Business-Klasse und positive Buchungszahlen im Bereich der Geschäftsreisen nach Asien, was ein Indikator für eine gesunde Geschäftsbeziehung zwischen den beiden Regionen ist.

Hat die globale Arbeitsteilung positive Effekte gebracht?

Ich denke schon. Abgesehen vom wirtschaftlichen Wettbewerb hat auch der ökonomische Fokus eines Landes viel Einfluss auf dessen kulturelle und soziale Entwicklung. Unsere Lebenserfahrung wird durch Reisen zu den verschiedensten Flecken dieser Welt ungemein bereichert. Zu sehen, wie andere leben, arbeiten, und mit anderen zu interagieren, ist doch ein sehr positiver Effekt.

Können Sie sich Alternativen zur Globalisierung vorstellen?

Nein, vielleicht weil ich mich an die Vorteile der Globalisierung gewöhnt habe. Es ist heute selbstverständlich, dass wir zwischen unzähligen Produkten aus der ganzen Welt aussuchen können, ohne dass wir weiter als bis zum nächsten Supermarkt gehen müssen. Für meine Grosseltern war derlei unvorstellbar.

Was geht Ihnen auf die Nerven?

Die Tonnen von Abfall, die heutzutage produziert werden. Die Schweiz ist im Recycling übrigens vorbildlich.

Worüber können Sie herzlich lachen?

Es vergeht kein einziger Tag, an dem ich nicht mindestens einmal herzlich lache.

Was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?

Am besten fragen Sie meine PR- und Marketing-Verantwortliche.

Wie reagieren Sie auf Kritik?

Ich setze mich mit der Kritik auseinander, und wenn etwas dran ist, versuche ich mein Bewusstsein dafür zu stärken und daran zu arbeiten. Ist die Kritik indessen unberechtigt, verschwende ich keine weiteren Gedanken daran. Zu wissen, dass man eine verlässliche Ansprechperson hat, mit der man sich über erhobene Kritik austauschen kann, scheint mir wichtig.

Hat Sie Ihr Bauchgefühl auch schon einmal getäuscht?

Es entspricht nicht meinem Naturell, mich auf mein Bauchgefühl zu stützen. Ich treffe Entscheidungen aufgrund von dem, was ich weiss.

Stellen Sie auch ehemalige Arbeitskollegen und Freunde ein, oder ziehen Sie unbeschriebene Blätter vor?

Wenn die Person am besten qualifiziert für die Stelle ist, spricht nichts dagegen. Wie alle anderen Bewerber muss aber auch diese Person den Rekrutierungsprozess duchlaufen und beweisen, dass sie über die benötigten Qualifikationen verfügt.

Sind «Quotenfrauen» notwendig oder überholt?

Tatsache ist, dass es bei Singapore Airlines Schweiz mehr Abteilungsleiterinnen gibt als Abteilungsleiter. Das Geschlecht spielt für mich keine Rolle. Viel wichtiger ist die Einstellung der Person.

Werden bei Ihnen Kandidaten gegoogelt?

Nein.

Falls Ihnen Ihr Smartphone abhandenkommt: Ist das ein Desaster für Sie und Ihre Terminplanung?

Es könnte mich ein paar Stunden kosten, um alle Termine und Daten wieder zu beschaffen, aber ein Desaster würde ich das nicht nennen.

Welchen Stellenwert haben für Sie soziale Netzwerke, beruflich und privat?

Social Media gehören heute zum Alltag. Singapore Airlines nutzt seit 2011 Facebook und Twitter, um mit Kunden und Anhängern zu interagieren. Persönlich nutze ich Facebook, um mit Freunden und Bekannten in Übersee in Kontakt zu bleiben.

Was halten Sie von Managern, die in der Öffentlichkeit mit wenig Schlaf und Wochenendarbeit auftrumpfen?

Die Arbeitswelt ist ohne Zweifel fordernder geworden. Wenn ich mich mit unseren Vielfliegern austausche, erzählen mir diese, dass sie es geniessen, auf dem Flug ein paar Stunden Pause vom Geschäftsstress zu haben und einfach einmal abzuschalten, einen Film anzusehen oder ein paar Stunden ununterbrochen zu schlafen. Viele arbeiten zwar mit dem Laptop, jedoch schätzen sie die Situation, in der sie für einmal nicht per Telefon erreichbar sind.

Würden Sie Ihre Karriere gegebenenfalls zugunsten eines humanitären Einsatzes aufgeben?

Es gibt humanitäre Projekte, die ich sehr befürworte. Wenn sich eine Gelegenheit ergäbe, sich dafür zu engagieren, würde ich dies nicht ausschliessen. Menschen, die sich für einen guten Zweck einsetzen, sind nach meiner Einschätzung glückliche Menschen.

Wann und wo können Sie wirklich abschalten?

Ich brauche nicht viel, um abschalten zu können. Eine ruhige Autofahrt nach Hause oder eine kurze Kaffeepause reicht vollkommen aus. Ich komme nicht oft dazu, einen Film anzuschauen. Daher nutze ich die Gelegenheit, auf einem Flug ein paar Filme zu sehen und dabei zu entspannen. Oft sehe ich mir Komödien an. Einmal mehr: Herzhaft lachen schadet nichts. Ich mag Musik, aber Musik mit einer Tasse Kaffee ist ein Luxus, den ich mir nur selten leisten kann.

Sind Vorbilder noch aktuell oder eher hinderlich bei der Selbstverwirklichung?

Ich denke, man kann immer von den Lebenserfahrungen anderer lernen. Wenn man das Gelernte im eigenen Leben richtig anwendet, kann das nicht schaden.

Was raten Sie dem Berufsnachwuchs – und den eigenen Kindern?

Ich habe zwei kleine Kinder, und ich rate den beiden, herauszufinden, was sie interessiert und wo ihre Stärken liegen. Diese Erkenntnis wird sie weiterbringen.

Wie wurden Sie durch Ihre ehemaligen Lehrpersonen eingeschätzt?

Diese konnten mich nie richtig einschätzen, als ich jünger war. Generell werde ich als umgängliche und offene Person beschrieben.

Hat Ihnen die Schule das wirklich Relevante vermittelt?

Ich bin ein Geisteswissenschaften-Studienabgänger und habe mich während meiner Studienzeit mit Politologie, Philosophie und Linguistik befasst. Was ich gelernt habe, hilft mir noch heute, zu verstehen, was um mich herum geschieht.

Könnten Sie sich ein Leben im Kloster vorstellen?

Ehrlich gesagt würde mir der Kontakt zur Aussenwelt sehr fehlen.

Kommen Sie manchmal zu spät?

Ich versuche, immer pünktlich zu sein, und mag es nicht, wenn andere auf mich warten müssen. Als Fluggesellschaft achten wir sehr stark auf Pünktlichkeit.

Glauben Sie an die Vorsehung und an das Schicksal?

Ich glaube, dass unsere Handlungen eine Auswirkung auf unser Leben haben.

Sind Sie zuversichtlich für die Schweiz?

Ich bin zuversichtlich, dass die Schweiz sich auch weiterhin gut durchschlägt und langfristig ein stetes Wachstum erreicht.

Eine Ihrer Lebensweisheiten?

«Verschwende keine Zeit dafür, es allen recht machen zu wollen.»Interview: met.

Zur Person

Edmond Lim, 36, ist seit Ende Oktober 2011 General Manager Schweiz der Singapore Airlines (SIA). Der in Zumikon wohnhafte, verheiratete Singapurer, Vater zweier kleiner Kinder, erwarb an der National University of Singapore den Bachelor of Arts (Linguistik). Frühere Stationen bei SIA waren Manager in Gujarat (Indien), General Manager Ägypten und Nordafrika, ferner Tätigkeiten am Hauptsitz in Singapur als Chef Route Planning und Manager Leisure Market Singapore. Das Team der Fluggesellschaft in der Schweiz umfasst 35 Personen. Im August werden es 40 Jahre her sein, dass SIA nach Zürich fliegt. 1972 geschah das mit der Boeing 707 mit mehreren Stops. Seit dem Sommerflugplan 2010 bedient SIA die Strecke täglich einmal nonstop mit dem bei den Reisenden sehr beliebten Airbus A380. Das weltweit grösste Passagierflugzeug löste die kleinere Boeing 777-300 ER (mit zwölf Flügen wöchentlich) ab. SIA betreibt eine Flotte von rund 110 Flugzeugen, zählt weltweit 13 600 Mitarbeitende und ist wie Swiss und Lufthansa Mitglied der Star Alliance.


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