7. Januar 2012, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
«Einmal einige Monate in einem tibetischen Kloster leben»
33 Fragen an Christian Knuchel, Gründer und CEO der Sherpa Outdoor AG
Interview: met
Haben Sie Ihre Karriere von Anfang an genau vor sich gesehen?
Ja. Es gab aber immer wieder einige Hürden und auch Umwege. Mein Ziel jedoch verlor ich nie aus den Augen.
Ist die Weiterbildung im Management auf der Höhe der Zeit?
Die Weiterbildung, vor allem in der Theorie, schon. Die Umsetzung lässt dagegen manchenorts einiges zu wünschen übrig.
Wie lauten Ihre Führungsgrundsätze?
Hart in der Sache, wertschätzend gegenüber Mensch und Umwelt.
Ist kompetente Unternehmensführung überhaupt erlernbar?
Ja, jedoch ist die Erfahrung das beste Lernmittel.
Haben sich Ihre Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?
Die Basis meiner Führungsprinzipien hat sich nicht verändert, gewisse Ausprägungen schon.
Darf ein Chef auch Schwächen zeigen?
Ein Chef sollte seine Schwächen zuerst selber erkennen und dann auch zugeben können.
Wie spüren Sie die gegenwärtige Wirtschaftslage?
Weltwirtschaftlich gesehen gibt es einige Hürden zu bezwingen. Die grösste Herausforderung ist die Globalisierung, also die wirtschaftlichen und politischen Vernetzungen und Abhängigkeiten. Die Globalisierung ist schon sehr weit fortgeschritten, wir wissen nur noch nicht in allen Teilen, wie wir damit umgehen sollen. Ich bin jedoch überzeugt, dass sich die Wirtschaft wieder erholen wird.
Hat die globale Arbeitsteilung positive Effekte gebracht?
Kurz- und mittelfristig gibt es sehr viele positive Effekte, langfristig kennen wir die tatsächlichen Nebenwirkungen erst zum Teil.
Können Sie sich Alternativen zur Globalisierung vorstellen?
Nein, die Globalisierung ist nicht mehr wegzudenken. Wir brauchen Zeit, die Globalisierung sinnvoll zu nutzen, nach dem Motto «Think global – act local».
Was geht Ihnen auf die Nerven?
Steine im Weg, die unnötig sind.
Worüber können Sie herzlich lachen?
Über Witze mit Niveau.
Was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?
Faire Entscheidungen, Leidenschaft in der Arbeit, kollegial.
Wie reagieren Sie auf Kritik?
Ich nehme sie sehr ernst, dies hilft mir, mich zu verbessern.
Hat Sie Ihr Bauchgefühl auch schon einmal getäuscht?
Ganz selten, eine Entscheidung fälle ich in der Regel zuerst aus dem Bauch heraus, dann kommt der Verstand – dies dauert meistens länger. Am Schluss bin ich dann wieder beim Bauchentscheid.
Stellen Sie auch ehemalige Arbeitskollegen und Freunde ein, oder ziehen Sie unbeschriebene Blätter vor?
Beides, je nach Fähigkeiten.
Sind «Quotenfrauen» notwendig oder überholt?
Bei Sherpa Outdoor AG arbeiten rund 60 Prozent Frauen.
Werden bei Ihnen Kandidaten gegoogelt?
Nein.
Falls Ihnen Ihr Smartphone abhandenkommt: Ist das ein Desaster für Sie und Ihre Terminplanung?
Nein, wichtig ist nur, dass ich telefonisch erreichbar bin.
Welchen Stellenwert haben für Sie soziale Netzwerke, beruflich und privat?
Ich nutze die modernen sozialen Netzwerke wie Facebook, LinkID und so weiter nur ganz selten. Dies ist für mich zu zeitraubend. Ich pflege jedoch intensiv mein soziales Netzwerk, indem ich mich mit Leuten treffe und mich austauschen kann.
Was halten Sie von Managern, die in der Öffentlichkeit mit wenig Schlaf und Wochenendarbeit auftrumpfen?
Gar nichts, weil diese Personen ihr Zeitmanagement nicht im Griff haben. Meistens beruhen diese Aussagen auf reinem Geltungszwang.
Würden Sie Ihre Karriere gegebenenfalls zugunsten eines humanitären Einsatzes aufgeben?
Ja. Sherpa Outdoor ist aus einem sozialen Projekt entstanden. Und dieses soziale Engagement bauen wir stetig aus.
Wann und wo können Sie wirklich abschalten?
Das kann überall sein. Sei es auf einer Trekking-Tour, zu Hause auf dem Sofa oder in einem Café.
Sind Vorbilder noch aktuell oder eher hinderlich bei der Selbstverwirklichung?
Ja, aktuell sind sie auf jeden Fall noch. Vorbilder helfen, die eigenen Ziele zu erkennen. Wichtig dabei ist, dass man nicht einfach alles seinen Vorbildern nachmacht, sondern nur das adaptiert, was einen selber wirklich weiterbringt.
Was raten Sie dem Berufsnachwuchs – und den eigenen Kindern?
Ziele kreieren, evaluieren und definieren. Und dann diese Ziele verfolgen, auch wenn es manchmal aussichtslos erscheint.
Wie wurden Sie durch Ihre ehemaligen Lehrpersonen eingeschätzt?
Anfangs war ich der Klassenbeste, die Matura habe ich dann gerade noch so geschafft.
Hat Ihnen die Schule das wirklich Relevante vermittelt?
Die Schule hat mir vor allem die Grundelemente vermittelt. Die Universität brachte mir bei, Werkzeuge zu entwickeln und sie dann auch einzusetzen.
Könnten Sie sich ein Leben im Kloster vorstellen?
Ja, in Tibet, im Himalaja, und das sogar sehr gut. Es ist einer meiner alten Wünsche, einmal ein paar Monate in einem tibetischen Kloster zu verbringen.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Sehr selten. Falls sich eine Verspätung abzeichnet, melde ich mich jedoch telefonisch.
Glauben Sie an die Vorsehung und an das Schicksal?
Nein.
Sind Sie zuversichtlich für die Schweiz?
Ja. Die Schweiz ist wirtschaftlich und politisch äusserst stabil. Starke wirtschaftliche oder politische Schwankungen, wie wir sie im Ausland erleben, fallen in der Schweiz meist sehr viel bescheidener aus.
Welche Probleme sollte die Politik unverzüglich anpacken?
Die Stärkung des Mittelstandes und der Familie. Dazu muss die Zukunft der KMU gesichert werden. Darin liegt die Zukunft der Schweiz.
Eine Ihrer Lebensweisheiten?
Positiv denken.
Wie könnte die Titelüberschrift dieses Interviews lauten?
«Mit Fairness zum Erfolg»..
Zur Person
Christian Knuchel, 39, ist Gründer und CEO des Outdoor-Bekleidungs- und -Ausrüstungsunternehmens Sherpa Outdoor AG. Der verheiratete Basler und Vater zweier Kinder lebt in Binningen. Er erwarb an der Universität Basel das Lizenziat (rer. pol.). Sherpa Outdoor wurde 2003 gegründet, Sitz des Unternehmens ist Basel. Es entstand aus einem Unterstützungsprojekt in Nepal und, wie es auf der Website der Firma heisst, «aus unserer Leidenschaft für das aktive Erkunden der unberührten Natur». Gesetzt wurde von Anfang an auf den direkten Vertrieb der Produkte in firmeneigenen Shops – derzeit rund 20 in der deutschsprachigen Schweiz. Wichtiges Standbein ist daneben der Versandhandel. Sherpa Outdoor beschäftigt gut 60 Mitarbeitende. Hergestellt wird die lückenlos deklarierte Bekleidung überwiegend in asiatischen Ländern, darunter nach wie vor auch in Nepal. Mit dem Himalaja-Staat fühlt sich das Unternehmen noch immer eng verbunden: Eine firmeneigene Stiftung finanziert in Kathmandu ein Waisenhaus für 25 Kinder.
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