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  • 15. November 2009, NZZexecutive

    «Vielleicht steht mir noch ein Studium der Philosophie bevor»

    «Vielleicht steht mir noch ein Studium der Philosophie bevor»

    33 Fragen an Erika Ziltener, Präsidentin Dachverband Patientenstellen

    Erika Ziltener, Präsidentin Dachverband Patientenstellen Erika Ziltener, Präsidentin Dachverband Patientenstellen (Bild: )
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    NZZexecutive: Frau Ziltener, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
    Erika Ziltener: Ich wollte Schauspielerin für dramatische Rollen werden.
    Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
    Prioritäten zu setzen!
    Welches war das grösste schulische Drama für Sie?
    Der geschlechtsspezifisch angelegte Unterricht: Die Mädchen gingen ins Kochen, die Knaben in die Chemie und Geometrie.
    Haben Sie als Schülerin gemogelt?
    Ja.
    Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute besonders stolz?
    Ich habe meine Kreativität über die Zeit bewahrt.
    Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
    Ein Studium der Philosophie – wer weiss, vielleicht steht es mir noch bevor.
    Wer hat Sie am meisten gefördert?
    Verschiedene mir zugewandte kritische Menschen in diversen Lebenssituationen.
    Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
    Das Privileg zu haben, mit einer fordernden und sinnvollen Tätigkeit meinen Lebensunterhalt verdienen zu können.
    Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
    Die Akad-Matura abgelegt und das Studium auf dem zweiten Bildungsweg gemeistert zu haben.
    Woran erinnern Sie sich noch, wenn Sie an Ihr erstes Bewerbungsgespräch zurückdenken?
    Ich bekam die Stelle.
    Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
    143,5.
    Wie viele Stunden arbeiten Sie durchschnittlich pro Tag?
    Mit Beruf und Politik sind es insgesamt zu viele.

     

    An welchem Ort können Sie am besten arbeiten?
    Im Team an meinem Arbeitsort, der Patientenstelle, und für mich im Tessin in der Klause.
    In welchen Ländern haben Sie bisher gearbeitet – und wo wären Sie gerne noch tätig?
    In Frankreich – meine jetzige Arbeit ist an die Schweiz gebunden.
    Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
    Ich habe mich in Patientinnen- und Patientenrecht sowie im Versicherungswesen weitergebildet.
    Welches sind Ihrer Ansicht nach die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
    Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort von den richtigen Menschen umgeben zu sein.
    Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
    Ich lerne mehr aus Erfolgen. Sie motivieren mich und zeigen mir, welche Fehler zu vermeiden sind.
    Welches sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten Tugenden bei einem Vorgesetzten?
    Wertschätzung, Transparenz sowie Sozial- und Sachkompetenz.
    Welche Person ist für Sie ein persönliches Vorbild?
    Da gehören alle authentischen Personen dazu, die furchtlos für sich und ihre Sache einstehen.
    Welche Person ist für Sie ein berufliches Vorbild?
    Alice Schwarzer beeindruckt mich tief, weil sie mit Verstand, Gelassenheit und Humor unbeirrt ihren Weg geht.
    Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
    Wenn die Lösung eines Problems nur für mich offensichtlich ist.
    Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag, und was tun Sie dagegen?
    Über Ignoranz, speziell wenn sie gepaart ist mit dem fehlenden Willen, dies zu ändern.
    Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
    Kritisches Denken, Loyalität, Offenheit, Flexibilität, Mut und Engagement für die Arbeit.
    Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
    Mit entspannenden Tagen im Tessin und gemeinsamer Zeit mit meinem Lebensgefährten.
    Welche persönliche Freiheit vermissen Sie am meisten?
    Zeit zu haben, die nicht bereits verplant ist.
    Was stört Sie am meisten als Staatsbürgerin?
    Vor allem im Gesundheitswesen ärgere ich mich über fehlende sachliche Auseinandersetzungen mit Grundsatzfragen.
    Kommt es manchmal vor, dass Sie zu spät kommen?
    Nein. Und wenn es ausnahmsweise passiert, ist es gut begründet. Andere warten zu lassen, ist aus meiner Sicht ein Zeichen von mangelndem Respekt.
    Was würden Sie als Ihre grössten Tugenden bezeichnen?
    Ernsthaftigkeit, Grosszügigkeit, Ehrgeiz und Toleranz.
    Was halten Sie denn für Ihre grössten Laster?
    Dazu gehören genauso Ernsthaftigkeit, Grosszügigkeit, Ehrgeiz und Toleranz.
    Ihr Lieblingsbuch?
    Die Frage ist ein zu weites Feld für eine einfache und eindeutige Antwort. Mich begleiten Bücher in allen Lebensabschnitten intensiv. Anfang der neunziger Jahre war es zum Beispiel der Briefwechsel «Sei gegrüsst und lebe» zwischen Christa Wolf und Brigitte Reimann.
    Ihr Lieblingsfilm?
    Ich mag Filme, die mich gut unterhalten, mich zum Nachdenken anregen und einen Bezug zur Geschichte aufweisen. Dazu gehört etwa «Goodbye Lenin!» von Wolfgang Becker, der mir auch wegen seines skurrilen Humors gefällt.
    Was kaufen Sie selber ein – und wo tun Sie dies?
    Alles – wenn immer möglich in meinem eigenen Wohnquartier. Lebensqualität haben wir da aber eindeutig verloren, als unser Buchladen aus wirtschaftlichen Gründen schliessen musste.
    Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?

    Ich strebe an, mehr Gelassenheit zu erlangen!

     

    Interview: asc.

    Erika Ziltener, 54, ist seit 2008 Geschäftsleiterin der Patientenstelle Zürich, seit 2001 präsidiert sie den Dachverband der Schweizerischen Patientenstellen. Von 1988-2003 arbeitete die diplomierte Pflegefachfrau in der Inneren Medizin des Universitätsspitals Zürich. Berufsbegleitend machte sie die Matura und studierte Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Germanistik an der Uni Zürich (Lizenziat im Jahr 2000). Ziltener ist auch politisch aktiv, seit 1998 sitzt sie für die SP im Zürcher Kantonsrat.

    Die Patientenstellen in der Schweiz sind als Vereine organisiert und beraten die Hilfesuchenden in sämtlichen Fragen des Gesundheitswesens. Im Dachverband Schweizerischer Patientenstellen sind die Vereine zusammengeschlossen.


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